Die Stadt, in der der Romanschreiber gelebt, das hell erleuchtete Haus, schön durchwärmt, gut versorgt und verschlossen, wo der Wein sorgsam eingeschenkt wurde von der kleinen Dorrit, Dora Copperfield und der Schwester des Tom Pinch, erschienen ihm eine wohlige Arche in einer Sündflut von Schmutz.
Er faulenzte in diesem erträumten London, glücklich, in Sicherheit zu sein.
Sein Glas war leer. Trotz des dichten Dunstes, der in dem grossen Raum herrschte, erhöht durch den Rauch von Cigarren und Pfeifen, empfand er ein leichtes Frösteln.
Er bestellte ein Glas Amontillado. Dieser herbe, helle Wein zerstörte die sanften Geschichten des englischen Dichters sehr bald und die aufregend rauhen Phantasieen des Edgar Poë tauchten wieder vor ihm auf. Plötzlich bemerkte er, dass er beinahe ganz allein in dem grossen Saal war, die Dinerstunde war nahe; er zahlte und erhob sich hastig von seinem Sitz und gewann ganz betäubt die Thür.
Als er hinaustrat, schlug ihm der Regen heftig ins Gesicht, die Flammen der Strassenlaternen flackerten ängstlich hin und her.
Der Herzog betrachtete die Arkaden der Rue de Rivoli, die mit Wasser überschwemmt sich im Schatten verloren, und es war ihm, als wenn er sich im düstern Tunnel unter der Themse befand; doch eine gewisse Leere im Magen, die sich sehr fühlbar machte, rief ihn in die Wirklichkeit zurück.
Er ging zu seinem Wagen und befahl dem Kutscher nach einem englischen Restaurant in der Rue d’Amsterdam, nahe dem Bahnhof, zu fahren. Er sah nach der Uhr: es war gerade sieben. Er hatte also noch Zeit zu speisen; der Zug ging erst um acht Uhr fünfzig Minuten, und an seinen Fingern zählend, berechnete er ungefähr die Stunden der Überfahrt von Dieppe nach Newhaven und sagte sich:
„Morgen Mittag um halb eins werde ich in London sein.“
Der Fiaker hielt vor dem Restaurant still; wiederum stieg der Herzog aus und schritt in einen langen schmucklosen Saal.
Zahlreiche Bierpumpen waren auf dem Schenktisch aufgestellt, daneben lagen Schinken, so stark geräuchert, dass sie wie alte Violinen aussahen, Hummern wie mit rotem Bleioxyd gefärbt, marinierte Makrelen, die in einer trüben Sauce schwammen.