Die feuchte Luft machte ihn schaudern, der Wind blies von der Seite her und peitschte den Regen unter die Arkaden.
„Fahrt ein paar Schritte weiter!“ rief er dem Kutscher zu, indem er ihm mit dem Finger einen Laden am Ende des Bogenganges bezeichnete, der die Ecke der Rue de Rivoli und der Rue Castiglione bildete und, von innen erhellt, mit seinen weisslichen Scheiben einer riesigen Nachtlampe glich, die in dem Missbehagen dieses Nebels und in dem Elend dieses abscheulichen Wetters den Spaziergänger lockte.
Es war die „Bodega“.
Der Herzog ging in einen grossen Saal, der sich zu einem langen Gang formte und von gusseisernen Pfeilern getragen war. An den Seitenwänden lagerten hohe Fässer, die mit königlichen Wappen bemalt waren und in farbigen Aufschriften den Namen ihres Inhalts bezeichneten.
In dem freigelassenen Raume zwischen den Fässern, unter den summenden Flammen einer abscheulich hässlichen, eisengrau bemalten Gaskrone standen Tische mit Körben voll trockenen oder salzigen Gebäcks, mit Tellern, auf welchen Brötchen gehäuft lagen, die mit scharfer, senfhaltiger Butter bestrichen oder mit altem Holländerkäse belegt waren.
Ein Dunst von Alkohol schlug dem Herzog entgegen, als er in dem Saal Platz nahm.
Der Saal war mit Menschen angefüllt; um ihn herum wimmelte es von Engländern: blasse Geistliche von lächerlichem Aussehen, vom Kopf bis zu den Füssen in Schwarz gekleidet, mit weichen Hüten, geschnürten Schuhen, in endlosen Röcken, die auf der Brust mit kleinen Knöpfen besetzt waren, mit glattem Kinn, runden Brillen und glattem, fettigem Haar; aufgedunsene Weingesichter früherer Schweinehändler und Bulldoggengesichter mit Ohren wie Tomaten, blauroten Backen und Nase, blöden, blutunterlaufenen Augen und Bärten, die ihnen ein Pavian-Ansehen gaben.
Eine eigentümliche Erschlaffung befiel den Herzog in dieser Wachtstubenatmosphäre; betäubt von dem Geschwätz der um ihn herumsitzenden Engländer träumte er, und aus dem purpurnen Inhalt seines mit Portwein gefüllten Glases stiegen die Dickens’schen Typen herauf, die so gern tranken, und bevölkerten so den Raum mit neuen imaginären Gestalten.
Er sah hier die weissen Haare und den feuerroten Teint Wickfields; dort das phlegmatische und schlaue Gesicht mit dem unversöhnlichen Blick Tulkinghorns, des unheimlichen Sachwalters von Bleak-House.
Ganz klar und bestimmt sonderten sich jetzt alle diese Figuren in seiner Erinnerung ab und liessen sich mit ihren Bewegungen in der Bodega nieder; sein Gedächtnis, durch die kürzliche Lektüre aufgefrischt, vergegenwärtigte ihm alles in den klarsten Farben.