Und je mehr der Herzog wieder Baudelaire durchlas, desto mehr erkannte er einen unendlichen Zauber in diesem Schriftsteller, der in einer Zeit, wo Verse nur dazu dienten, die äusseren Erscheinungen von Wesen und Sachen wiederzugeben, es dahin gebracht hatte, das Unaussprechliche auszudrücken, dank einer kräftigen und vollen Sprache, die mehr als jede andere diese wunderbare Macht besass, mit einer seltenen Gesundheit von Ausdrücken krankhafte Zustände der flüchtigsten und zitterndsten Art, der erschöpften Geister und traurigen Seelen festzustellen.
Ausser Baudelaire waren die französischen Bücher in seiner Bibliothek ziemlich beschränkt. Er war gänzlich unempfänglich für die Werke, vor denen es zum guten Ton gehört, in Entzücken zu geraten.
„Der herzhafte Humor von Rabelais“ und „die gesunde Komik Molières“ brachten ihn nicht zum Lachen und seine Antipathie gegen diese Possen ging sogar so weit, dass er sich nicht scheute, sie mit Jahrmarktstand zu vergleichen.
Von den alten Dichtern las er nur Villon, dessen melancholische Balladen ihn rührten; hier und da einige Sachen von Aubigné, die durch die unglaubliche Heftigkeit ihrer Ausfälle und durch ihre Flüche sein Blut in Wallung brachten.
Von den Prosaisten beschäftigten ihn Voltaire und Rousseau sehr wenig, noch weniger Diderot, dessen so sehr gerühmte „Salons“ ihm ganz besonders mit moralischen Abgeschmacktheiten und einfältigen Bestrebungen angefüllt schienen; aus Hass gegen all diesen Plunder vertiefte er sich fast ausschliesslich in die Lektüre der christlichen Beredsamkeit, wie Bourdaloue und Bossuet, deren kräftige und bilderreiche Sprache ihm imponierte. Aber vorzugsweise erquickte er sich an den ernsten und markigen Sätzen, welche Nicole und besonders Pascal aufbauten, dessen strenger Pessimismus und schmerzliche Zerknirschung ihm zu Herzen gingen.
Diese wenigen Bücher ausgenommen, fing die französische Litteratur in seiner Bibliothek erst mit dem neunzehnten Jahrhundert an.
Sie teilte sich in zwei Gruppen: die eine bestand aus der gewöhnlichen, profanen, die andere aus der Kirchen-Litteratur.
Aus der Menge seichter Schwätzer, die die Kirchenlitteratur auf ihrem Gewissen hatte, ragte besonders Lacordaire hervor, einer der wenigen wirklichen Schriftsteller, den die Kirche seit Jahren hervorgebracht hatte.
Höchstens waren noch einige Seiten seines Schülers, des Abtes Peyreyve, lesbar. Dieser hatte eine rührende Biographie seines Lehrers hinterlassen, einige liebenswürdige Briefe geschrieben, Artikel in klangvoller Rednersprache verfasst und Lobreden gehalten, in denen aber ein schwülstiger Ton zu sehr vorherrschte.
In Wahrheit aber hatte der Abt Peyreyve weder die Erregung noch die flammende Begeisterung eines Lacordaire.