Der im allgemeinen abgedroschene bischöfliche, von den Prälaten gehandhabte Stil war wieder etwas männlicher geworden. Dies zeigte sich besonders bei dem Grafen de Falloux.

Unter dem Schein der Mässigung schwitzte dieser Akademiker geradezu Galle. Seine im Parlament 1848 gehaltenen Reden waren dagegen weitschweifig und matt, aber seine in dem „Correspondent“ veröffentlichten und seitdem in Sammlungen vereinigten Artikel waren beissend und scharf und von einer übertriebenen Höflichkeit in ihrer Form.

Er war ein gefährlicher Polemiker wegen seiner Hinterhalte, ein schlauer Logiker, seitwärts gehend und unvermutet treffend.

Etwas geschraubter, gezwungener, ernster war Ozanam, der geliebte Schutzredner der Kirche, der Glaubensrichter der christlichen Sprache.

Obgleich Herzog Jean schwer zu überraschen war, war er dennoch erstaunt über die Dreistigkeit dieses Schriftstellers, der von den unerklärlichen Absichten Gottes redete, als ob er die Beweise der unwahrscheinlichen Behauptungen, die er vorbrachte, hätte beibringen können.

Ein Buch, das sein Interesse in hohem Grade zu erwecken vermocht hatte, war: „Der Mensch“ von Ernest Hello.

Dieser war die absolute Antithese seiner religiösen Mitbrüder. Fast isoliert in der gottesfürchtigen Gruppe, die seine Art abschreckte, hatte Ernest Hello schliesslich den grossen Verbindungsweg, der von der Erde zum Himmel führt, verlassen. Ohne Zweifel angewidert von der langweiligen Einförmigkeit der Strasse und von dem Gewühl dieser Schriftpilger, die im Gänsemarsch seit Jahrhunderten hintereinander dieselbe Chaussee gingen, einer in des andern Fussstapfen tretend, an denselben Orten anhaltend, um dieselben Gemeinplätze über die Religion, die Kirchenväter, über ihre gleichen Überzeugungen und ihre gleichen Meister auszutauschen, war er durch die Seitenpfade gegangen und war in der düstern Waldlichtung von Paschalis gemündet, wo er lange gehalten hatte, um Atem zu schöpfen. Dann hatte Hello seinen Weg fortgesetzt und war weiter als der Jansenist vorgedrungen, den er übrigens verspottete.

Gewunden und geziert, pedantisch und verwickelt, wie Hello war, erinnerte er den Herzog durch die eindringlichen Spitzfindigkeiten seiner Analyse an die forschenden, kritischen Studien einiger Psychologen des vergangenen und dieses Jahrhunderts.

In diesem eigentümlich gebildeten Geist existierten wundersame Gedankenverbindungen, unvermutete Annäherungen und Widersprüche. Ihm imponierte Hellos seltsame Art, von der Etymologie der Wörter auf geistreiche Beziehungen zu kommen, die manchmal etwas dünn wurden, aber fast immer blendend waren. –

Zwei Werke von Barbey d’Aurévilly reizten den Herzog ganz besonders: „Le Prêtre marié“ und „Les Diaboliques“. In diesen eigentümlichen Büchern hatte der Verfasser beständig zwischen den beiden Extremen der katholischen Religion laviert, die sich vereinigen: Mysticismus und Sadismus.