In diesen zwei Büchern, die der Herzog wieder durchblätterte, hatte Barbey jede Klugheit verloren, seinem Pferde die Zügel schiessen lassen und war in gestrecktem Galopp auf Wegen davon geritten, die er bis zu ihrem äussersten Ende verfolgte.
Der ganze Schrecken des Mittelalters schwebte über diesem unwahrscheinlichen Buch des „verheirateten Priesters“; die Magie vermischte sich mit der Religion, und unbarmherziger und grausamer als der Teufel quälte der Gott der Erbsünde die unschuldige Calixte, seine Verstossene, die er mit einem roten Kreuz auf der Stirne gezeichnet, wie er ehemals von seinem Engel die Häuser der Abtrünnigen, die er verderben wollte, hatte zeichnen lassen.
Nach diesen mystischen Abschweifungen hatte der Schriftsteller eine Periode der Ruhe gehabt; dann aber war ein schrecklicher Rückfall eingetreten.
In dem „verheirateten Priester“ wurde das Lob Christi von Barbey d’Aurévilly gesungen; in „Les Diaboliques“ hatte sich der Verfasser dem Teufel ergeben, den er pries; und jetzt erschien der Sadismus, dieser Bastard des Katholizismus, den die Religion in allen Formen mit Exorcismen und Scheiterhaufen durch alle Jahrhunderte verfolgt hat.
Mit Barbey d’Aurévilly nahm die Serie der religiösen Schriftsteller ein Ende. Eigentlich gehörte dieser Paria in jeder Hinsicht mehr zur weltlichen Litteratur als zu jener andern, bei der er einen Platz beanspruchte, den man ihm verweigerte. Seine Sprache war die des wilden Romantismus, voll gewundener Wendungen und übertriebener Vergleiche, und eigentlich erschien d’Aurévilly wie ein Zuchthengst unter diesen Wallachen, die die ultramontanen Ställe füllen.
Dem Herzog kamen diese Betrachtungen beim gelegentlichen Wiederlesen einiger Stellen dieses Schriftstellers, und wenn er diesen nervösen, abwechslungsreichen Stil mit der lymphatischen und unbeweglichen Art seiner Mitbrüder verglich, gedachte er ebenfalls der Fortentwickelung der Sprache, die uns Darwin so klar dargestellt hat.
Mittlerweile kündigte der silberne Ton einer Glocke, die auf den Ton der Angelusglocke abgestimmt war, dem Herzog an, dass das Frühstück aufgetragen sei.
Er liess seine Bücher liegen, trocknete sich die Stirn und ging nach dem Esszimmer, indem er sich sagte, dass von all den Büchern, die er soeben geordnet hatte, die Werke von Barbey d’Aurévilly noch die einzigen waren, bei denen Gedanken und Stil an den Hautgoût der decadenten lateinischen Schriftsteller der alten Zeit, die ihm so sympathisch waren, erinnerten.
DREIZEHNTES KAPITEL.
Das Wetter war in diesem Jahre ganz ungewöhnlich: nach den Stosswinden und Nebeln lag ein weissglühender Himmel über der Gegend ausgebreitet.