Bei Zola war das Heimweh nach dem Jenseits anders geartet.
In ihm war nicht der Wunsch nach Auswanderung in verschwundene Regionen, nicht das Bedürfnis, in vergangene Zeiten zu flüchten. Sein mächtiges zielbewusstes Temperament, verliebt in die Üppigkeiten des Lebens, in die sanguinischen Kräfte und moralische Gesundheit, liess ihn sich von den künstlichen Reizen und der geschminkten Blutarmut des vergangenen Jahrhunderts fern halten, wie auch von der hierarischen Feierlichkeit, der brutalen Grausamkeit und den verweichlichten, zweideutigen Träumereien des alten Orients.
An dem Tage, an dem auch er von diesem Heimweh, von dem Bedürfnis und Sehnen erfasst worden war, das im Grunde die Poesie selbst ist, da hatte er sich in ein ideales Gefilde gestürzt, wo der Saft in voller Sonne schäumte; er hatte von der phantastischen Brunst des Himmels, von dem berauschenden Entzücken der Erde, von dem befruchtenden Regen des Blütenstaubes, der in die lechzenden Organe der Blumen fällt, geträumt. So war er zu einem riesenhaften Pantheismus gekommen, hatte, gegen seinen Willen vielleicht, mit diesem paradiesischen Milieu, in das er seinen Adam und seine Eva stellte, eine wunderbare indische Dichtung geschaffen, in einem Stil, dessen kühne, roh aufgetragene Farbe einen seltsamen Glanz, wie die der indischen Malerei hatte, indem er die Hymne der Fleischeslust anstimmte, das belebte und lebende Sinnliche feierte und durch das Betonen des Fortpflanzungsdranges der menschlichen Kreatur die verbotene Frucht der Liebe, ihre instinktiven Liebkosungen, ihre natürliche Stellung offenbarte.
Mit Baudelaire waren diese drei Meister in der französischen modernen profanen Litteratur diejenigen, die den Geist des Herzogs am meisten gefesselt hatten; aber dadurch, dass er sie zu oft gelesen, war er von diesen Werken übersättigt.
Er kannte sie auswendig, und um sich noch wieder in sie versenken zu können, hatte er sich bemüht, sie zu vergessen und sie einige Zeit in ihren Fächern ruhen zu lassen.
Deshalb öffnete er sie auch kaum, als der Diener sie ihm jetzt hinhielt. Er begnügte sich, den Platz zu bezeichnen, den sie einnehmen sollten, nur beachtend, dass sie auch richtig und gut geordnet wurden.
Der Diener brachte ihm einen neuen Stoss Bücher. Es waren dies zwar weniger bedeutende Werke, zu welchen er aber doch nach und nach eine Neigung gefasst hatte.
Gerade ihre Unvollkommenheiten gefielen ihm, vorausgesetzt, dass sie nicht unselbständig waren; und vielleicht enthält die Behauptung eine Dosis Wahrheit, welche meint, dass uns der Schriftsteller zweiten Ranges, der wohl eine Individualität darstellt, aber seiner Selbständigkeit noch nicht bewusst geworden ist, einen noch kräftigeren Trank zumutet, als der Künstler derselben Zeit, der wirklich gross und wirklich vollkommen ist.
Daher wendete er sich notgedrungen von den Meistern ab und den Schriftstellern zu, die ihm dadurch noch teurer wurden, dass sie das Publikum, das sie nicht verstand, verachtete.
Einer von ihnen, Paul Verlaine, hatte mit einem Band Verse „Poèmes Saturniens“ debütiert, einem ziemlich schwachen Werk, in dem sich die Nachahmungen von Leconte de Lisle und romantische Rhetorik berührten, aber in dem schon in gewissen Teilen, wie in dem Sonett: „Rêve familier“ die wirkliche Persönlichkeit des Poeten durchschimmerte.