Die Folge seiner Erhebung war die Vernichtung aller Intelligenz, die Verneinung aller Rechtschaffenheit, der Tod jeder Kunst. So lagen die verächtlichen Künstler auf den Knieen und küssten inbrünstig die Füsse der hohen Pferdehändler und gemeinen Satrapen, deren Almosen sie ernährte!

Es war über die Malerei eine Sintflut von kraftlosen Albernheiten, in der eine Völlerei glatten Stils und feiger Ideen herrschte, hereingebrochen. Denn der Geschäftsintrigant will Rechtschaffenheit; der Freibeuter will Tugend; wer nach einer Mitgift für seinen Sohn jagt, sträubt sich, sie für seine Tochter zu zahlen; der Anhänger Voltaires sucht keusche Liebe; wer die Geistlichkeit der Notzucht beschuldigt, treibt sich dumm und heuchlerisch in den unordentlichen Zimmern der Dirnen herum.

Es war die grosse Galeere Amerikas, die nach Europa verschlagen war. Es war die ungeheure und unerhörte Anmassung des Geldmenschen und Emporkömmlings, die wie eine gemeine Sonne über die götzendienerische Stadt strahlte, die im Staube vor dem ruchlosen Tabernakel der Bankhäuser zotige Gesänge ausstösst.

„Stürze doch zusammen, Gesellschaft! Stirb doch, alte Welt!“ rief der Herzog empört über das gemeine Schauspiel, das er heraufbeschwor; dieser Schrei brach den Alp, der ihn bedrückte.

„Ach!“ seufzte er, „und sich sagen zu müssen, dass dies alles kein Traum ist! Dass ich wieder in das schändlich gemeine Gewühl des Jahrhunderts hineingeworfen werde!“ Um sich zu beschwichtigen, rief er die tröstenden Lebensregeln Schopenhauers zu Hilfe; er wiederholte sich den schmerzlichen Grundsatz Pascals: „Die Seele sieht nichts, was sie nicht betrübt, wenn sie daran denkt.“ Aber die Worte hallten in seinem Gehirn wider wie Laute ohne Sinn; sein Verdruss zersplitterte sie, entzog ihnen jede Bedeutung, jede beruhigende Wirkung, jede wirkliche und sanfte Kraft.

Er sah schliesslich ein, dass die Beweisgründe des Pessimismus ohnmächtig waren ihn zu erleichtern, dass der unmögliche Glaube an ein zukünftiges Leben allein beruhigend wirken würde.

Ein Wutausbruch fegte gleich einem Orkan seine Versuche der Entsagung und der Gleichgültigkeit hinweg. Er konnte es sich nicht mehr verhehlen, es gab nichts, garnichts mehr. Alles war vernichtet!

Würde der schreckliche Gott der Schöpfung und der blasse Losgenagelte von Golgatha nicht einmal wirklich zeigen, dass er existierte, nicht die Sintfluten wieder erneuern, die Flammenregen wieder anzünden, die einst die verdammten und toten Städte verzehrt hatten!?

Würde dieser Schlamm fortfahren zu fliessen und mit seinem Pesthauch die alte Welt vergiften, wo nur noch Saaten von Frevelthaten und Ernten von Schande aufgingen!? – – –

Plötzlich ging die Thür auf. In der Ferne, von den Thürpfosten umrahmt, sah man kräftige Männer in Arbeitstracht, die grosse Kisten und Möbel auf den breiten Nacken hinaustrugen. Dann schloss sich die Thür wieder hinter dem alten Diener, der Packete mit Büchern geholt hatte.