Unser Gott, und unserer Väter Gott! Vergib unsere Sünden an diesem Versöhnungstage und lasse unsere Missetaten aus Deinen Augen schwinden, wie Du verheißen hast: „Ich, ich bin es, der ablöscht deine Missetaten um meinetwillen, und deiner Vergehungen gedenke ich nicht,“ und wie es ferner heißt: „Ich habe abgelöscht wie Gewölk deine Missetaten und wie Wolkendunst deine Vergehungen. Kehre zurück zu mir, denn ich habe dich erlöset“, und wie es ferner heißt: „Denn an diesem Tage entsühnt er euch, um euch zu reinigen von allen euren Sünden, vor dem Ewigen sollt ihr rein sein.

Reinige unser Herz, daß wir mit Eifer und in Wahrheit Dir dienen. Du bist es ja, der sein Wohlwollen nicht ablenkt von den Stämmen Jeschuruns, bis an das Ende der Zeiten. An wen sollten wir uns auch wenden, da nur Du unser König bist, der uns begnadigen kann. Alljährlich läßt Du unsere Schuld dahinschwinden. So liebst Du Dein Volk Israel, und darum auch schenktest Du uns den Versöhnungstag.

Nimm auch unsern Dank, o Gott und Gott unserer Vorfahren, für das Leben, das Du bis heute uns bewahrt, für die Wohltaten, die Du bis heute uns erwiesen. Alles, was Du für uns tust, ist groß und wunderbar, wir könnten nicht genügend Dir danken, wollten wir auch täglich vom Morgen bis an den Abend Dich rühmen. Ohne Ende ist Deine Güte, und Deine Liebe hat keine Grenzen.

O Herr! Laß unsere Bitte vor Dich kommen, wenn wir gleich auf unser Recht nicht bauen können: wir wissen gar wohl, wie vielfach wir gesündigt haben.

Wir sind abgewichen von Deiner Lehre und von Deinen Vorschriften, die so heilsam für uns sind, Du freilich bist gerecht, wir aber stehen beschämt als Sünder vor Dir.

Was sollen wir sprechen vor Dir? Du wohnest in der Höhe und überschauest das All. Was sollen wir Dir mitteilen? Dein Thron ist über den Wolken. Nur vor uns gibt es Geheimes und Offenbares, Dir aber ist alles, alles bekannt.

Du kennst die Geheimnisse der Welt und kennst sie seit Ewigkeit, und ebenso die Verborgenheit, in der das kleinste Wesen lebt, Du durchforschest die geheimsten Gedanken unserer Brust, nichts ist Dir unsichtbar, kein Verbergen gibt es vor dem Auge Deiner Allwissenheit.

O Herr! Darum kennst Du auch mich, mein ganzes Wesen, mein ganzes Leben und meine Fehler und Sünden. Ich aber flehe Dich an, o vergib! Verzeihe und gewähre mir Versöhnung!

O Herr! Wie könnte ich denn Dir zu nahe treten, wie könnte ich Dich beleidigen durch meine Sünde, nur mir, meiner Veredelung und dem Heile meiner Seele kann ich schaden, denn ob ich gleich geboren bin, bin ich immer noch ein Nichts. Staub bin ich bei meinem Leben, um wie viel mehr nach meinem Tode, wenn ich nicht die Seligkeit des ewigen Lebens mir erwerbe. Beschämt und vernichtet ich vor Dir, wenn ich die Geringfügigkeit meiner Tugend mir bedenke. O, Herr! Laß meinen Willen erstarken, daß ich fortan die Sünde meide, und was ich bis jetzt verschuldet, das laß vergessen sein vor Dir. Reinige mich und läutere mich durch Deine Gnade und Verzeihung, aber, o Herr! nicht durch Prüfungen und Strafgerichte.

Verzeichne zum glücklichen Leben alle Kinder Deines Bundes.