Ich habe heuchlerisches Lob mit Wohlgefallen aufgenommen, habe der Schmeichelei mein Ohr geneigt, ich habe den Tadel gehaßt, ich habe meine Fähigkeiten überschätzt, meine Ansprüche zu hoch gestellt, meine Ehre oft zu gering gehalten; ich habe meine Bequemlichkeit zu sehr geliebt und meine Pflichten zu wenig.
Ach! ich könnte noch lange nicht enden, wäre ich imstande, meiner Fehler große Zahl vor Dir zu bekennen. Je tiefer ich in mein Inneres schaue, desto tiefer wird vor meinem Blicke der Abgrund meiner Sündhaftigkeit. Ich könnte auf Deine Milde, Allbarmherziger, nicht hoffen, wolltest Du mir vergelten nach Gerechtigkeit. Du aber wirst mich richten nach Deiner unendlichen Gnade. Wo ist ein Mensch, der fehlerlos vor Deinem Angesichte erschienen, denn: es gibt ja keinen Gerechten auf Erden, der nur das Gute tut und nicht sündigt.
Darum, Herr und Vater, nimm das Bekenntnis meiner Sünden wohlgefällig auf und schreibe mich in das Buch der Versöhnung und Vergebung.
Laß mich immer erfüllt sein von dem Streben, weiser und besser zu werden. Halte fern von mir die Versuchung, und wo sie mir dennoch entgegentritt, da gib mir Einsicht, sie zu erkennen und Kraft, ihr zu widerstehen.
Das ist mein Gebet, das ist mein Hoffen, das ist mein Vertrauen zu Dir, der Du den heutigen heiligen und ehrfurchtbaren Tag bestimmt hast, daß er ein Versöhnungstag für uns sei, denn Du hast es in Deiner heiligen Lehre ausgesprochen: An diesem Tage will ich euch versöhnen, euch zu reinigen; von euren Sünden sollt ihr vor dem Herrn rein sein. Amen.
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Beim Herausheben der Thora am Versöhnungstage.
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O Ewiger! Ewiger! Barmherziger Gott! Du bist der Allgnädige, langmütig und von unbegrenzter Huld und Treue, der seine Gnade bewahret bis ins tausendste Geschlecht, der Missetat, Abfall und Sünde vergibt und den Übeltäter losspricht.
(Dreimal.)