Gebet zu Mussaph am Versöhnungstage.

———

Was können wir denn tun, Herr und Vater, um der Gnade würdig zu sein, um die wir Dich anflehen. Der sichtbare Wohnsitz Deiner Herrlichkeit, der heilige Tempel zu Jerusalem, ist nicht mehr das Ziel unserer Wallfahrt; der Hohepriester betritt nicht mehr das Allerheiligste und sprengt nicht mehr das Blut der Entsündigung an die Wände des Altars. Der Sündenbock wird nicht mehr, beladen mit der Schuld des Volkes Israel, in die Wüste gesandt, und die Flammen des Opfers lodern nicht mehr auf dem Altare.

Wohl weiß ich es, Herr und Vater, daß Du das alles heute noch nicht von uns begehrst, und daß Du darum selbst in Deiner erhabenen Majestät nicht aufgehört hast, in der Mitte der Deinen zu thronen, wo sie zu Deinem Dienste sich versammeln an allen Enden der Erde. Du selbst hast es ausgesprochen: „Und ich werde gedenken des Bundes, den ich mit ihren Vorfahren geschlossen, welche ich aus Ägypten geführt habe vor den Augen aller Völker, ihnen ein Gott zu sein, ich, der Ewige.“ Du selbst hast uns die Versicherung gegeben: „Auch alsdann, wenn sie sein werden im Lande ihrer Feinde, werde ich sie nicht verwerfen und verstoßen, sie nicht vergehen lassen, so daß ich meinen Bund mit ihnen zerstöre, denn ich bin der Ewige, ihr Gott.“ Auch für uns gilt das Wort, das Du durch Deinen Propheten verheißen: „Wenn eure Sünden auch wie Purpur sind, weiß wie Schnee sollen sie werden.

Und so weiß ich es, daß Du auch uns die Mittel gegeben hast, Deine Gnade zu erwerben. Auch uns ist es nicht versagt, Dir Opfer zu bringen, die Dir wohlgefällig sind. Wenn wir in aufrichtiger Buße unsere Sünden bereuen und Dir geloben, mit allen unseren Kräften die Versuchungen zu bekämpfen und die Fehler zu meiden, wenn wir in inbrünstigem Gebete zu Dir uns wenden allezeit, und wenn wir, eingedenk Deiner unendlichen Güte und Barmherzigkeit, wiederum gütig und hilfreich sind gegen unsere Nebenmenschen, so oft sie unseres Beistandes bedürfen: das alles, Herr, ist wohlgefällig aufgenommen in Deinen Augen, das steigt auf zum Throne Deiner Herrlichkeit wie der liebliche Duft des Weihrauchs vom Altare. Amen!

——————

Unsere Opfer.

———

Wenn auch nicht mehr der Opferduft

Entsteiget den Altären,