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סֵדֶר עֲבוֹדָה
Der Hohepriester am Versöhnungstage.

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Glanzvoll und weihevoll, prächtig und erhebend war die Feier des Versöhnungstages in jenen Zeiten, da der Hohepriester noch seinen heiligen Dienst im Tempel zu Jerusalem verrichtete. Der Opferdienst des Hohenpriesters am Versöhnungstage bot dem in Andacht und feierlicher Stimmung erregten Volke das sichtbare Kennzeichen der Entsündigung dar. Der Hohepriester war der Größe seiner Aufgabe sich bewußt und alle Voranstalten zur würdigen Lösung derselben entsprachen der hohen Heiligkeit des Tages.

Entsprossen aus dem Hause Aharons, und durch diese seine Abstammung zum Priesteramte befähigt, sollte dennoch zu dem Vorzuge seiner Geburt der seiner eigenen Würdigkeit sich gesellen. Darum unterzog er sich gern allen Förmlichkeiten, die darauf abzielten, ihn zur Weihe des Tages vorzubereiten.

Sieben Tage vor dem Versöhnungstage sonderten die Ältesten den Hohenpriester von den übrigen ab, wie einst Aharon bei seiner Weihe. Man besprengte ihn mit dem Wasser der Entsündigung, dann machte er selbst die Sprengungen und Räucherungen und übte sich aufs beste in allen Verrichtungen seines Dienstes.

Alte, angesehene und weise Männer bildeten ausschließlich seine Umgebung und füllten seine Zeit mit Belehrungen und Ermahnungen aus. Am neunten Tage des Monats Tischri wurden die für den Sühnetag bestimmten stattlichen Opfertiere an ihm vorübergeführt. Um die Zeit des Sonnenunterganges durfte er nur spärliche Speise zu sich nehmen, und die Greise seines Stammes beschäftigten ihn mit Unterweisungen und lehrreichen Gesprächen, um ihn bis Mitternacht wach zu erhalten. Alsdann beeilten sich die Priester, die Asche vom Opferaltar und vom goldenen abzuräumen, um welche Verrichtung viermal gelost wurde.

Sobald der Späher auf der Warte den Anbruch des Morgens verkündete, spannten sie eine Byssusdecke aus, um den Priester zu bergen. Er entkleidete sich, badete, legte die Goldgewänder an, wusch Hände und Füße und schlachtete das tägliche Morgenopfer, fing das Blut auf und sprengte es.

Nachdem er das ganze tägliche Opferwerk vollbracht hatte, wurde abermals eine Byssusdecke vor ihm ausgespannt. In einem besonderen Gemache im Heiligtum, der Kammer des Parwah, nahm er abermals Bad und Waschungen vor und bekleidete sich mit kostbaren weißen Gewändern von Pelusischem Byssus. Er trat alsdann hervor, legte seine Hand auf den bereitstehenden Opferfarren, bekannte seine Sünden und sprach:

„O, mein Gott! Ich habe gesündigt, gefehlt, gefrevelt vor Dir, ich und mein Haus. O, bei Deinem heiligen Namen rufe ich: Vergib die Sünden, Fehle und Frevel, durch die ich gesündigt, gefehlt und gefrevelt habe vor Dir, ich und mein Haus, wie geschrieben steht in der Lehre Moses, Deines Knechtes, aus dem Munde Deiner Herrlichkeit: „Denn an diesem Tage wird er euch sühnen, euch zu reinigen von euren Sünden vor dem Ewigen“.