Der Priester aber und das Volk, das in der Vorhalle stand, wenn sie vernahmen den ehrwürdigen und erhabenen Gottesnamen, wie er klar und deutlich gesprochen aus dem Munde des Hohenpriesters kam in Weihe und Reinheit, knieten nieder und bückten sich, bekannten ihn und fielen auf ihr Angesicht und sprachen: „Gelobt sei der Name seines herrlichen Reiches in Ewigkeit“.

Und auch er (der Hohepriester) wußte es also einzurichten, daß er den Namen des Ewigen aussprach im Augenblicke der Benedeiung[[2]] und fügte alsdann hinzu: „sollt ihr rein sein“. Du aber, Gott in Deiner Huld, ließest Deine Barmherzigkeit rege werden und gabst Verzeihung Deinen Frommen.

[2] Absatz 3, Schluß.

Alsdann schritt der Priester an die Morgenseite der Vorderhalle. Dort standen die beiden, durch Gestalt und Ähnlichkeit gepaarten Opferböcke, die zum eigentlichen Entsündigungsopfer am Versöhnungstage bestimmt waren. Dieselben waren aus den Mitteln der Gemeinde angeschafft. Der Priester nahete ihnen, um mit ihnen zu verfahren, wie es im Gesetze des Herrn (3. Buch Mose, Kap. 16) vorgeschrieben ist. Er zog das Los und verkündete laut nach demselben die Bestimmung der beiden Böcke, welcher von ihnen zum Sündopfer dargebracht und welcher nach der Wüste gesandt werden sollte, kehrte alsdann zu seinem Opferfarren zurück, bekannte abermals seine Sünden vor Gott und die seines Stammes, und Volk und Priester stimmten ein nach voriger Weise:

„Du aber, Gott, in Deiner Huld, ließest Deine Barmherzigkeit rege werden und gabst Verzeihung dem Stamme Deiner Diener.“

Nun erst schlachtete er den Farren, beschritt das Allerheiligste, ließ daselbst eine Weihrauchsäule aufsteigen aus goldener Schale, und sprengte mit seiner Hand, zwischen den Stangen der Bundeslade stehend, von dem Blute des Opfers, einmal nach oben und siebenmal nach unten.

Dann kehrte er zurück, schlachtete auch den zum Sündopfer bestimmten Ziegenbock und nahm die Sprengungen vor wie mit dem Blute des Farren. Also geschah es im Allerheiligsten.

Hierauf kehrte der Hohepriester zu dem noch lebenden Ziegenbocke zurück und bekannte, auf denselben seine Hand legend, die Verirrungen des Volkes und seine wissentliche Schuld. Wiederum schloß er das Sündenbekenntnis mit den Worten: „vor dem Ewigen“, wiederum fiel alles Volk auf das Angesicht und alle sprachen: „Gelobt sei der Name seines herrlichen Reiches in Ewigkeit“, und der Priester fügte hinzu: „sollt ihr rein sein“. „Du aber, Gott, in Deiner Huld, ließest Dein Erbarmen rege werden und gewährtest Verzeihung der Gemeinde Jeschuruns“.

Nun entsandte er den Sündenbock durch den dazu bestellten Boten in die felsige Wüste, die Sündenmakel des Volkes in die Öde zu tragen. Von einer Felsenzinne ward er hinabgeschmettert und sein Gebein zertrümmert. Der Hohepriester verbrannte die Reste der Opfertiere, las alsdann mit lauter Stimme die Ordnung des Tages aus der Thora vor und legte die goldenen Gewänder an. Dann brachte er den für ihn und den für das Volk bestimmten Widder dar und opferte die Fettstücke des Sünd- und Mussaf-Opfers in üblicher Weise. Aufs neue mit den leinenen Gewändern bekleidet, trat er in das Allerheiligste, holte die Rauchergerätschaften, die er beim ersten Eintritt zurückgelassen hatte, heraus, vertauschte alsdann nochmals mit den Goldgewändern die Leinengewänder, die nun für immer beiseite gelegt wurden. Nun brachte er noch das tägliche Abendopfer dar, räucherte und zündete die Lichter auf dem heiligen Leuchter an. Zum Schluß des Dienstes wusch er Hände und Füße. Fünfmal hatte er gebadet und zehn Waschungen hatte er vorgenommen.