Gleich dem Bräut'gam, der die Liebe

Preist im herrlichsten Gedicht,

War des Priesters Angesicht.

Alles dies war also, als der heilige Tempel noch auf seinen Festen ruhete und der Hohepriester des Dienstes waltete. Heil dem Auge, das dies alles geschaut!

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Gebet zu Mincha am Versöhnungstage.

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Herr und Vater! Das Ziel unserer Sehnsucht und unsere Bitte am heutigen Tage ist Deine Gnade und Dein Erbarmen, Deine Milde und Deine Freundlichkeit. Wir haben diese Bitte schon vielfach vor Dir ausgesprochen, und hoffen, daß Du liebend sie gewähren wirst. Wohl aber wäre es einseitig und fehlerhaft, wenn wir bei all diesen Gaben nicht bedenken wollten, daß wir für ebendieselben Dir schon längst auch zu danken haben. So möge sich denn auch mein Blick heut rückwärts wenden auf die Tage, die vergangen sind, so daß ich bei diesem Rückblick nicht mich betrachte, sondern Dich, Herr, Deine ganze Liebe und Barmherzigkeit, daß meine Seele auch auf dem Altar des Dankes Dir opfere, die beste Spende meiner innigsten Empfindung, das herzlichste Wort meines jubelnden Mundes.

Ja Du, Herr, bist ein Gott der Liebe! Was wäre ich ohne Dich!

Ich habe nicht nötig, um Deine Wunder zu rühmen, aufzuschauen zur strahlenden Sonne, die die Welt erleuchtet, ich habe nicht nötig, mich zu vertiefen in die Tage der Vorzeit, um Dich als den Wohltäter der Menschheit zu preisen, ich habe nicht nötig, mit meinem Blicke die Oberfläche des Erdballs zu durchmessen, um die unzähligen Zeugen zu finden, die von Dir lehren, daß Du der allweise, allgütige Ernährer aller Wesen bist. Ich kehre nur mit meinen Gedanken zurück in den engen Kreis meines eigenen alltäglichen Lebens, und vermag auch da nicht Deine Wohltaten zu zählen, die unendliche Größe Deiner Liebestaten zu überschauen.