Auch der heutige Tag, für ewige Zeiten als ein Freudentag eingesetzt, erinnert uns in seiner Veranlassung an Deine Liebe und Güte für Israel, vergegenwärtigt uns Deine Weisheit, wie Du wunderbar wirkest auch ohne anscheinendes Wunder, wie Du helfen kannst, wo alles verloren scheint, auch ohne Eingriff in den natürlichen Lauf der Dinge. Denn in Deiner Hand sind die Herzen der Mächtigen, die Gedanken der Könige; von Dir gezählt und nach ihrem Zwecke geordnet sind die wirren Fäden in dem Knäuel irdischer Begebenheiten.
Als zu den Zeiten des persischen Königs Ahasveros, dessen mächtiger Günstling Haman, aus dem Geschlechte der seit Jahrhunderten Israel feindlichen Amalekiter, voll Rache und Bosheit die Pläne schmiedete, ganz Israel, Männer und Frauen, Greise und Kinder, in allen Provinzen des weiten Perser- und Mederreiches zu vernichten, als die Ausführung seiner bösen Ratschläge schon zum Entsetzen nahe bis an die Grenze ihres Zieles gerückt war, als selbst der freche Übermut den Tag des Mordes schon durch das Los gewählt hatte und nach menschlichem Ermessen kein Ausweg der Rettung dem Blicke der Verfolgten mehr sichtbar war, da tratest Du helfend ein mit unvorhergesehener Fügung. Hamans Veranstaltungen wurden vereitelt, er selbst erlitt den Tod samt allen Genossen seiner Bosheit und die Unschuldigen gingen gerettet und siegreich aus der Bedrängnis hervor.
Und welches Werkzeug hat Deine Weisheit sich erkoren? Ein Weib war es, an deren Mut das Haupt zertrümmerte, das Tücke und Arglist gesonnen.
Esther, das Kind ohne Eltern, der gehorsame Pflegling ihres väterlichen Freundes Mordechai, vereitelte die Anschläge des Feindes und verwandelte den gefürchteten Tag des Elends in einen Tag der Freude noch für die spätesten Geschlechter.
Aber Esther war kein blindes Werkzeug. Sie war bereit, Glanz und irdische Größe der Pflicht zu opfern, sie setzte ihr Leben ein für das Wohl ihres Volkes, sie hielt sich nicht für machtlos, denn sie vertrauete auf Gott.
So wie damals, so hast Du Herr, noch oft Dein Volk Israel aus der Gewalt mächtiger Feinde gerettet. Gar viele Männer sind im Geiste Hamans gegen uns aufgetreten, aber Israel ist nicht untergegangen, und ist heute noch, was es sein soll, ein Gotteskämpfer auf Erden, um alle Herzen und Geister zu gewinnen für Dein Reich, für die Verehrung des einzigen Gottes.
Mir aber soll Esther ein Muster und ein Vorbild sein in Mut und Stärke zur Erfüllung der Pflicht, in treuer Liebe und Anhänglichkeit an mein Volk und in unwandelbarem Vertrauen auf Deine Hilfe in den Tagen der Prüfung. Amen!
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