Schöpfer des Himmels und der Erde! Du gebotest dem Wasser, daß es sich sammle in den Tiefen der Erde, Du bestimmtest den Kreislauf der Gewässer, daß sie aus den Quellen sich ergießen in die Bäche und die Bäche sich vereinigen zu Flüssen und Strömen, und „alle Ströme gehen in das Meer und füllen es nicht“, und die Dünste, die aufsteigen aus dem Meere, bewässern wiederum das Land, daß es fruchtbar werde. So gibt das Wasser Nahrung dem Menschen und den Tieren und wird nicht weniger in Ewigkeit. Und die Oberfläche hast Du bedeckt mit Gewächsen aller Art, die Samen hervorbringen und Früchte tragen in tausendfältiger Abwechselung für die Bedürfnisse des Menschen. Ehe der Mensch auf Erden wandelte, war sein Tisch ihm bereitet. Du hast Deine Gaben ihm gespendet, noch ehe er ihrer bedurfte, denn Du wolltest, daß er lebe und sich des Daseins freue, Du bist ein liebender Vater aller Deiner Geschöpfe, Du willst nicht, daß sie Mangel leiden. Wie sollte ich fürchten, daß Du mich vergessen werdest, das meines Leibes Nahrung mir fehlen könnte. Du segnest unserer Hände Werk, bald in reicherer Fülle, bald in geringerem Maße, aber was ich auch erwerbe, es ist nicht die Frucht meiner Anstrengung, sondern die Spende Deiner Gnade. „Du öffnest Deine Hand und sättigst alles, was da lebt, mit Wohlgefallen.“ Dir allein gebührt der Dank meines Herzens für den Segen, mit dem Du mich begnadigst, denn „Dein ist die Erde und was sie füllet“. Mit diesen Gedanken will ich Deine Gaben genießen und Deine Güte preisen.
Aber auch Du sei bei mir allezeit und gib Gedeihen dem Werke meiner Hände. Nicht meines Fleißes will ich mich rühmen, nicht meiner Weisheit und Geschicklichkeit will ich vertrauen, aber wenn Du dabei in meiner Hilfe bist, so wird der Segen mir nimmer fehlen. Amen!
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Gebet am Mittwoch.
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Und es machte Gott die beiden großen Lichter, das größere Licht, daß es den Tag regiere, und das kleinere Licht, daß es die Nacht regiere, dazu auch die Sterne.
Schöpfer des Himmels und der Erde! Das Werk des vierten Schöpfungstages prangt in erhabener Majestät am Himmel und predigt von Deiner Größe, und seine vernehmliche Stimme spricht: „Was ist der Mensch, daß Du noch sein gedenkest? Der Erdensohn, daß Du Dich seiner annimmst?“ Und dennoch hebt sich der Blick in unnennbarer Sehnsucht zu den Sternen empor. Der Himmel mit der Sonne, dem Monde und den Sternen, er ist das heiligste Buch Deiner Offenbarung. Kein Sterblicher vermag seinen ganzen Inhalt zu erforschen, aber das Wenige, das wir zu lesen vermögen, reicht hin, uns mit dem erhabensten Gedanken zu erfüllen. Um die Erde wandelt der Mond, um die Sonne wandelt die Erde und alle Wandelsterne mit ihren Begleitern, und zahllos ist das Heer der Sonnen und alle, alle bilden eine Welt, und zahllos ist das Heer der Welten. Gott, Gott! Unaussprechlicher! wo ist der Mittelpunkt Deiner Herrlichkeit? Und alle Welten sind entstanden, und alle Welten werden vergehen, und Du warst früher als alles Geschaffene, und Du wirst es überdauern. Der menschliche Geist hat kein Maß für die Räume und die Sprache keinen Ausdruck für die Zahl der Jahre Deiner Herrschaft, und nur die eine Erkenntnis ist der Zielpunkt menschlichen Wissens: Raum und Zeit sind nicht vor Gott vorhanden, sie sind nur menschliche Begriffe. Doch die Sehnsucht nach einer höheren Erkenntnis wird nicht ewig ungestillt in mir bleiben. Mein Körper gehört der Erde, aber mein Geist gehört der Welt. Einst wird er nicht mehr gefesselt sein an die irdische Hülle, und wenn er gelöst sein wird von dem Staube der Erde, dann vermag er sich aufzuschwingen, vielleicht von Stufe zu Stufe zu neuen Kreisen der Erkenntnis, vielleicht von Leben zu Leben zu höherem Range in der Reihenfolge Deiner Geschöpfe, aber jedenfalls näher zu Dir; und mehr zu wissen von der Welt und von dem Schöpfer, das ist Seligkeit. Wenn ich meinen Geist vervollkommene hier auf Erden, so reift er zur Seligkeit heran. Laß mich einst ihrer teilhaftig werden, mein Gott und Vater! Amen!
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Gebet am Donnerstag.
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