Und Gott schied das Wasser über der Feste von dem Wasser unter der Feste, und nannte die Feste Himmel.

Schöpfer des Himmels und der Erde! Du hast den Himmel ausgebreitet über die Erde. Das ist die endlose Ferne, in die der Blick des Menschen sich verliert, wenn er sein Auge emporhebt vom Staube der Erde, dem er angehört. Da ist kein Ende und keine Grenze, nicht für das Auge, und auch nicht für die Gedanken.

Unendlich ist die Welt und sie ist Dein Werk. Die Himmel und alle Welten, die in ihnen schweben, sind Dir untertan. Mit welchem Worte soll ich Dein Wesen bezeichnen! O Unfaßbarer! Nie wird der Blick, den ich emporhebe, mich von Deinem ganzen Wesen belehren, aber von dem meinigen belehrt er mich, und verwandelt meinen Stolz in Demut. Wie ist die Erde so klein im Reiche Deiner Welt, nicht vergleichbar dem Tropfen im Meere, und auf der Erde, was bin ich?

O Herr, mein Gott, segne mein Bestreben, diesen Gedanken in mir zu befestigen, daß er auch die Grundlage meiner Handlungen werde. Der schwache Mensch ist allzusehr geneigt, sich für den Mittelpunkt dessen zu halten, was ihn umgibt. Wenn ich aber in Demut von meiner Niedrigkeit überzeugt bin, alsdann wird die Selbstsucht aus meinem Herzen schwinden. Nicht meinetwegen, Herr, mein Gott! hast Du die Welt erschaffen, nicht meinetwegen wirst Du ihre Gesetze ändern, nicht ich bin imstande den Lauf der Dinge zu hemmen, den Deine Allweisheit vorzeichnet, und Unzufriedenheit ist Torheit.

Nicht mein Wille, sondern Dein Wille geschehe, das ist der ganze Inhalt menschlicher Weisheit, mit der er die Wünsche seines Herzens beruhigen muß. Du hast ja in Deiner Vatergüte mich nicht minder bedacht als Deine übrigen Wesen, Du hast ja auch mir die Kräfte gegeben, die ich zu meinem Heile anwenden kann. So mir aber dies gelingt, so möge auch mein Herz befriedigt sein. Mein Leben und mein Heil sind in der Hand Gottes; er, der den Himmel ausgebreitet hat über der Erde, er hat auch meine Schritte gezählt. „In seine Hand empfehle ich meinen Geist und mit meinem Geiste auch meinen Leib. Ist Gott mit mir, so fürchte ich nichts.“

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Gebet am Dienstag.

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Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an einem Ort.

Und Gott sprach: Die Erde lasse hervorsprießen Gras und Kraut und alles, was Samen hervorbringt.