שְׁמַע יִשְׂרָאֵל יְהֹוָה אֱלֹהֵינוּ יְהֹוָה אֶחָד׃
בָּרוּךְ שֵׁם כְּבוֹד מַלְכוּתוֹ לְעוֹלָם וָעֵד׃
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Gebet am Sonntag.
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Und Gott sprach: Es werde Licht!
Schöpfer des Himmels und der Erde! In sechs Tagen hat Dein Wink die Welt aus Nichts hervorgerufen, und als Dein allmächtiges Wort am ersten Schöpfungstage den Himmel und die Erde gebildet hat, da erschufst Du auch das Licht. Ehe die Sonne ihre Strahlen zur Erde sandte, war es helle, denn nicht sie ist der Urquell des Lichtes, Du allein bist es, Du hast es auch ihr gegeben. Alles Leben in der Körperwelt strebt nach dem Lichte. Alle Wesen freuen sich des Lichtes, doch höher als alle hast Du den Menschen bevorzugt, daß er außer dem Lichte, das er aufnimmt durch sein Auge, auch nach einem höheren Lichte strebe, nach dem Lichte des Geistes. Das Licht des Geistes aber ist die Wahrheit. Ihr immer näher zu kommen, ist die höchste Aufgabe der Sterblichen; sie mehr und mehr in sich aufzunehmen, ist seine höchste Seligkeit. Darum ist es mein inbrünstiges Gebet am ersten Tage der Woche, daß Du, mein Gott und Vater, auch mein Streben nach Licht und Wahrheit segnen mögest, auf daß es nicht fruchtlos sei. Die Unendlichkeit Deiner Größe zu fassen und zu ergründen, das freilich bleibt dem schwachen Menschengeiste auf Erden versagt, aber streben darnach, das kann ich und soll ich, das ist eine Aufgabe, des Menschengeistes würdig. Und so will ich nicht gedankenlos vorübergehen bei den Wundern Deiner Schöpfung, nicht die Kräfte der Natur, weil sie alltäglich vor mein Auge treten, unbeachtet lassen, nicht den Himmel und die Erde betrachten, ohne auf die belehrende Stimme zu hören, die aus ihnen zu mir spricht, sondern alles dies soll der Quell für mich werden, aus dem ich Lehre und Erkenntnis schöpfe, auf daß Licht und Wahrheit mir zuteil werde aus dem Buche der Natur, damit ich in Demut mich selbst erkenne und im Staube Dich anbete als den Herrn und Schöpfer der Welt. Amen!
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Gebet am Montag.
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