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Beim Eintritt in das Gotteshaus.

(An Festtagen oder bei festlicher Gelegenheit.)

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Sei mir gegrüßt, du liebliche Stätte, die meine Sehnsucht aufsucht am Feste des Herrn! Mit Freude und Ehrfurcht betrete ich das Gotteshaus, denn es ist der Ort des Friedens. Hier empfindet der Geist ein süßes Heimatsgefühl denn er ist im Vaterhause. Hier fühlt das Herz sich leicht und froh, denn Freude und Leid bleiben nicht in ihm verschlossen. Die Gedanken des Herzens vor geliebten Menschen aussprechen, ist Freude und Befriedigung, sie aber vor Gott offenbaren, den ich über alles liebe und anbete, das ist Belebung und Wonne. Sei mir gegrüßt, du liebe, heilige Stätte! Du warst von je die Zeugin meines Jubels und meiner Betrübnis, meines Kummers und meines Dankes gegen Gott, und Du sollst es ferner bleiben, solange Gott es mir vergönnt auf Erden. Amen!

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Gebet am Vorabend des Passahfestes.

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Allgütiger, Allmächtiger! Dich, als den wundertätigen Wohltäter unserer Väter zu preisen und als den wundertätigen Wohltäter all' ihrer Kinder, Deines ganzen Volkes Israel in allen Geschlechtern und eben so als den des ganzen Menschengeschlechtes, darum feiern wir heute zu Deiner Ehre das Fest der Befreiung. Und es ist dieses Fest der Befreiung zugleich das Fest des anbrechenden Frühlings. Wie Du wundertätig stets gewirkt hast in der Geschichte der Menschheit, so wirkst Du ebenfalls in der Natur zum Heile der Menschen.

Lang und düster war der Winter unserer Väter in Ägypten, die Eisdecke harten Druckes, die Strenge kalter Grausamkeit lasteten auf ihrem Schicksal und die finstere Nacht der eigenen Kraftlosigkeit und Verkommenheit umhüllte mit dichtem Gewölk ihren Geist. Du aber, Herr, hast des Bundes gedacht, den Du mit ihren Vätern geschlossen, und hast sie herausgeführt aus der Knechtschaft in die Freiheit, aus der Unterdrückung in die Erlösung, aus der Finsternis zum hellen Lichte. Und Israel ist ein Volk geworden, und das Volk ist die Pflanzstätte der Erkenntnis Deines heiligen Namens geworden, daß er verbreitet werde auf Erden und alle Völker der Erde zu Dir sich wenden, daß auch sie befreiet werden aus der Nacht des Wahnes und des Irrglaubens, um sich zu vereinigen im Reiche des Lichts und der Wahrheit. Darum, o Herr, feiert unser dankbares Herz Dir heute das Fest der Befreiung.