A. Oeffentlicher Gottesdienst.
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Sabbat- und Festgebete.
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Die Feste des Herrn.
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Lasse uns den Segen Deiner Feste zuteil werden, o Gott, zum Leben und zum Frieden, zur Freude und zur Wonne. Heilige uns mit der Ausübung Deiner Gebote und gib uns unseren Teil an Deiner Thora. Sättige uns von Deiner Güte und erfreue uns mit Deiner Hilfe. Reinige unser Herz, Dir in Wahrheit zu dienen. Mache uns deine heiligen Feste zum Eigentum. Du bist der Segenspender, o Gott, indem Du Israel heiligst und die Zeiten.“ In diesem kindlich-schlichten, menschlich-wahren Gebete drückt sich der ganze tiefe, volle Segen aus, den die Festeszeiten in die Herzen, Seelen, Geister überreichlich streuen. Wie erquickender Sonnenstrahl in kaltes Dunkel, wie blütenprächtiger Frühling in winterlich-frostige Gefilde, so fallen die Festeszeiten in das harte, ernste Leben. — Wer lebt, der kämpft. Wer kämpft, der siegt nicht immer. Nicht jedwedem gedeiht die Saat auf dem Arbeit und Fleiß fordernden Ackerland des Lebens. Nicht alle, die unter Tränen das Saatkorn in die Furche geworfen, ernten in Jubel und Freude. Und die in scheinbar ungestörter Freude die Tage verbringen, die in nie umwölktem Sonnenleuchten ihre Jahre leben, in deren Sein und Streben sich goldene Ringe in köstlicher Kette an goldenem Ring zu reihen scheint, sie sind nicht immer die Glücklichen. Der ewige Festtag ist nicht des Ewigen Festtag. Menschengewollte und menschengebotene Ruhe steht im Dienste vergänglicher, täuschender Wünsche. Der ermüdete Leib des Daseinskämpfers bedarf der Seelenerquickung, die höchste Weihen empfangen hat und die im Zeichen idealen Dienstes steht. Festesstimmung und Festesfreude quellen aus dem Borne der Ewigkeit und der seelenvollen Hingebung an den weltbeglückenden Gedanken eines Gottes, eines Schöpfers, eines Menschenvaters. Sie sind uns nicht Stimmungen des flüchtigen Augenblickes, sondern vertiefte Gedanken an große geschichtliche Vergangenheit, ereignisreiche Gegenwart und glückverheißende Zukunft.
Die „Feste des Herrn“ sind Zeiten der Sammlung und der Andacht. Der Sammlung in jeglichem Sinne. Auch in dem, daß durch Arbeit versprengte Glieder des durch Bande des Blutes gebundenen Hauses sich warm und freudevoll zusammenfinden; die Gemeinde im brüderlichen Verbande an gemeinsamer Stätte sich Gottes und seiner Waltung freut; die Glaubensschwestern und Glaubensbrüder allesamt in aller Welt an ebendemselben Tage und zur selben Stunde des großen Lebens gedenken, das unser Volk gelebt, des unendlichen Segens, den es empfangen und gespendet hat. Der Andacht, die aller selbstischen Schlacken frei, sich in geiststärkende und weltumfassende Gedanken versenkt, die beruhigen, adeln und erheben. Denn die „Feste des Herrn“ sind nicht allein Festtage für sein erstgeborenes Volk, für Israel, sondern ziehen in den Bereich ihres weiten Andachtsbezirkes alle Menschenbrüder. So begrüßen wir diese Feste in gelassener Freude und mit gedämpftem Jubelruf. Sie sind der Gottesverehrung, geschichtlichen Erinnerung, sittlichen Selbsterziehung, Einkehr und Umkehr geweiht und ihr geschlossener Kreis zieht sich um die gemeinsame Mitte der Menschenerziehung und Menschenbeglückung. So feiern wir die „Feste des Herrn“ zu unserem Heil und Segen.