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Die Gesetzgebung am Sinai.

(2. Buch Mose, Kap. 19 u. 20.)

[Vorlesung aus der Thora am ersten Tage des Wochenfestes.]

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Im dritten Monate nach dem Auszuge der Kinder Israel aus dem Lande Ägypten, an eben diesem Tage kamen sie in die Wüste Sinai. Sie zogen von Rephidim und kamen in die Wüste Sinai und lagerten in der Wüste; also lagerte Israel daselbst dem Berge gegenüber. Und Mose stieg hinauf zu Gott, und es rief ihn der Herr vom Berge, sprechend: so sollst du sprechen zum Hause Jakobs und verkünden den Kindern Israels: „Ihr habt gesehen, was ich den Ägyptern getan habe, und wie ich euch auf Adlersflügeln getragen, und wie ich euch zu mir gebracht habe. Und nun, wenn ihr meiner Stimme gehorchen und meinen Bund hüten wollt, dann sollt ihr mir ein auserlesenes Volk von allen Völkern sein, denn mein ist die ganze Erde. Und ihr sollt mir sein ein Reich von Priestern und eine heilige Gemeinde. Dieses sind die Worte, welche du zu den Kindern Israels reden sollst.“ Und Mose kam und rief die Ältesten des Volkes und legte ihnen alle diese Worte vor, welche der Herr ihm geboten hatte. Da antwortete das ganze Volk einstimmig und sie sprachen: „Alles, was der Herr geredet hat, wollen wir tun“. Und Mose brachte die Worte des Volkes vor den Ewigen zurück. Und der Ewige sprach zu Mose: „Siehe, ich komme zu dir in einem dichten Gewölke, damit das Volk es höre, wenn ich mit dir rede, daß sie auch dir glauben immerdar“. Und es verkündete Mose die Worte des Volkes dem Ewigen. Und der Ewige sprach zu Mose: „Gehe zum Volke, und sie mögen sich heilig halten heute und morgen, und ihre Kleider sollen sie waschen. Und sie sollen bereit sein für den dritten Tag, denn am dritten Tag wird der Herr sich herablassen vor den Augen des ganzen Volkes auf den Berg Sinai. Du aber sollst das Volk ringsumher abgrenzen sprechend: Hütet euch, den Berg zu besteigen, oder sein Ende zu berühren; wer den Berg anrührt, soll des Todes sein.

Keine Hand soll ihn berühren, er soll gesteinigt oder erschossen werden, es sei Tier oder Mensch, es soll nicht leben; wenn aber das Horn lang ertönt, dann können sie den Berg besteigen. Und Mose stieg hinab vom Berge und heiligte das Volk und sie wuschen ihre Kleider. Und er sprach zum Volke: seid bereit auf den dritten Tag, es nahe keiner einem Weibe. Und es war am dritten Tage, als es Morgen wurde, da waren Donner und Blitze und eine schwere Wolke auf dem Berge und auch die Stimme einer sehr mächtigen Posaune, und es zitterte alles Volk, welches im Lager war. Und es führte Mose das Volk dem Herrn entgegen vom Lager und sie stellten sich hin unten am Berge. Und der Berg Sinai rauchte ganz und gar, weil der Herr sich auf ihn herabgelassen hatte im Feuer, und der Rauch stieg von ihm auf, wie der Rauch eines Ofens, und der ganze Berg bebte sehr. Und die Stimme der Posaune hielt an und verstärkte sich mächtig, Mose redete, und Gott antwortete ihm im Donner. Und es ließ sich nieder der Herr auf den Berg Sinai, auf die Spitze des Berges, und Mose stieg hinauf. Und der Herr sprach zu Mose: steige hinab und warne das Volk, daß sie nicht hinzudrängen zum Herrn, um zu schauen, es könnten sonst viele von ihnen fallen. Auch die Priester, die da hintreten zum Herrn, sollen sich heilig halten, daß der Herr nicht einbreche unter sie. Da sprach Mose zum Herrn: Das Volk kann den Berg Sinai nicht besteigen, denn Du hast uns gewarnt, sprechend: umzäune den Berg und heilige ihn. Da sprach der Herr zu ihm: gehe hinab und steige hinauf, du und Aharon mit dir; aber die Priester und das Volk sollen nicht hinzudrängen, hinaufzusteigen zum Herrn, daß er nicht unter sie einbreche. Da stieg Mose hinab zum Volke und sagte es ihnen.

Und Gott redete alle diese Worte, sprechend:

„Ich bin der Ewige, dein Gott, der ich dich herausgeführt habe aus dem Lande Ägypten, aus dem Hause der Knechtschaft.

Du sollst keine andern Götter haben vor meinem Angesicht. Du sollst dir kein Bild machen und keinerlei Gestalt weder von dem, was im Himmel oben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde ist. Bete sie nicht an und diene ihnen nicht; denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifervoller Gott, der da ahndet die Schuld der Väter an den Kindern bis ins dritte und vierte Geschlecht bei denen, die mich hassen, der aber Gnade erweiset bis ins tausendste Geschlecht denen, die mich lieben und meine Gebote halten.