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3. Das Hüttenfest.
סֻכּוֹת
Festbetrachtung am Hüttenfeste.
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Das Fest der Hütten ist das Fest der Freude. An keinem anderen, wie an diesem Jahresfeste, schreibt uns die religiöse Satzung die Freude vor. „Freue dich an deinem Feste, du, dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, der Levite, der Fremde, Waise und Witwe.“ Wir erinnern uns in kindlicher Dankbarkeit der göttlichen Gnadenwaltung, die unseren Vätern bei ihrem Zuge durch die Wüste zuteil geworden war. Wie die schwanke Hütte ihnen sicheren Schutz gewährte gegen Hitze und Kälte und das Zelt des Wanderers stark genug war, feindlichem Angriffe zu widerstehen.
Wenn die Früchte des Herbstes eingesammelt werden, feiern wir das Fest der Hütten, das gleichzeitig ein fröhliches Erntefest war und ist. Und als Zeichen des Erntesegens bringen wir in den traulichen Kreis der Behausung wie in den geweihten Kreis des Gotteshauses die Palmenblätter, Myrtenzweiglein, Bachweiden und die goldige Ethrogfrucht, sie alle in unseren Händen vereint zu einem Bunde, wie die Hausgenossen von einem Familienbande umschlossen sind und zu gemeinsamer Freude sich friedlich vereinigen. Die bescheidene Hütte ist uns nicht minder ein Zeichen der Demut und der Zufriedenheit, des stillen Glückes, das die kampfgewohnten Menschen beruhigt und vereinigt. So verkündet das „Fest der Freude“ mit seinen sinnigen Zeichen den Frieden und die Eintracht. Ist die Palme das Sinnbild der männlichen Kraft, dann ist die Myrte mit ihrem sanften Glanze und würzigem Dufte, dem Weiß der vollen Blüte dem Frauenbilde gleich; und der Weide bescheidener Zweig, vereint mit dem prunkvollen Goldgelb der Ethrogfrucht, stellt den ersehnten Ausgleich dar zwischen Beglückten und Bedrückten. Alle finden sich zusammen unter gemeinsamem Dache der Hütte, über welcher der allen gleiche Himmel sich wölbt. Alles aber stellt uns den Geist des Glaubens dar, den Geist der heiligen Lehre, der unser jüdisches Leben durchdringt und umringt; der auch das Hüttenfreudenfest in deutlicher Rede verkündet. Denn es erzählt von Gottes Liebe und Beschirmung, von reiner, inniger Freude, die allen Menschen zuteil wird. Es ruft uns mit lockender, sanfter Stimme in die vor Einsturz sichere Hütte aufrichtigen Gottvertrauens, in der wir Schatten finden am Tage vor der Sonnenglut, der Leidenschaft, der Mißgunst und Verirrung, Bergung in der Nacht vor der Kälte liebloser Mitwelt und den Enttäuschungen des ränkevollen, harten Lebens. Wir wollen freudig in Deinem Schutze uns bergen, denn in Deinem Hause weilen Liebe und Freude.
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Gebet am Vorabend des Hüttenfestes.
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Herr der Welt, ewig gütiger Wohltäter der Menschen! In Deiner Liebe hast Du uns, den Kindern Deines treuen Volkes, das Hüttenfest eingesetzt, auf daß wir uns freuen sollen vor dem Herrn, unserem Gotte. Und also heißt es in Deiner heiligen Lehre: „Am fünfzehnten Tage des siebenten Monats, wenn ihr eingesammelt habt die Früchte der Erde, da sollt ihr ein Fest feiern dem Ewigen, sieben Tage.“ Da sollen wir anerkennen mit freudigem Danke, daß Du, Herr, wiederum unsere Speicher gefüllt hast mit dem Ertrage der Felder.