Ach, wie so ganz stimmt dieses Gebot mit dem innigsten Bedürfnis unseres Herzens überein! In wessen Seele könnte das Gefühl des Dankes und der Freude unerweckt bleiben bei dem Beginn des Herbstes, wenn der Gedanke sich auf die Größe Deiner Gnade richtet, die sich offenbaret in der Fülle Deiner Gaben, mit der Du in dem nun schon hinschwindenden Sommer unsere Felder gesegnet hast, auf daß wir getrosten Mutes auf die Zeit hinblicken, da nicht Saat und Ernte sein wird.
Bedarf es denn aber eines besonderen Festes, einer absichtlich erregten Stimmung, um uns diesen Dank und diese Freude lebhafter empfinden zu lassen? Erinnert nicht jedes Brot, das wir genießen, das auch im Winter uns nicht fehlt, daran, daß Du, o Herr, der Spender aller Gaben bist, die uns Nahrung und Erquickung gewähren?
Freilich wohl bedarf es eines Festes; und auch hierin, daß Du es uns eingesetzt, gibt sich Deine Liebe kund. Nur allzuweit entfernen die verschiedensten Lebenswege, die verschiedensten Beschäftigungen mit all ihren Gedanken und Sorgen von dem süßesten, reinsten Genuß auf Erden; der Freude und der Erbauung an den Vorgängen in der Natur. Nicht wir alle pflügen den Boden und ernten die Frucht der Saaten. Der Reiche labt sich am gesegneten Tische, doch seine Hand hat keine Furche in die Erde gezogen. Der Arbeiter wendet sich von seiner Werkstatt zum Mahle, aber der Schweiß seines Angesichts galt nicht dem Acker, aus dem sein Brot hervorgegangen ist; und auch derjenige, der den Boden des Geistes fruchtbar macht im Reiche der Gedanken, er ißt das Brot des Feldes, dem er die Frucht nicht entlockt hat durch die Arbeit seiner Hand. Da betrachten wir bald in unserer Alltäglichkeit das uns so Naheliegende teilnahmslos als ein Fernes, und mit der unmittelbaren Beschäftigung mit der Erzeugungskraft der Erde geht uns die Freude verloren an ihrer Fruchtbarkeit und Schönheit.
Da ruft uns denn das frohe Erntefest herbei von allen Grenzen unseres Berufes und spricht zu uns: Kehret zurück, ihr Kinder der Erde! Seht, der liebende Vater hat wieder für euch gesorgt, und wenn auch das Laub herabrieselt von den Bäumen, ihre Früchte sind für euch aufbewahrt; und wenn die Decke des Winters auch die Oberfläche umhüllt, euch verschließt sie den Quell der Ernährung nicht, drum kommet herbei: und freuet euch vor dem Herrn, eurem Gotte.
Also danken wir Dir für Deinen Segen und für dies Fest, und erkennen frohen Herzens, daß Du es bist, der jeder redlichen Aussaat ihre Ernte, jeder rechtschaffenen Tätigkeit ihren Lohn gibt.
Und auch, wer den Frühling seines Lebens benutzt hat als eine Zeit der Aussaat und den Sommer seines Lebens als eine Zeit der Arbeit, der sammelt im Herbste seine Früchte und darf den Winter seines Erdenwandels nicht fürchten.
O laß' mich, Herr, immer stark und fest sein in dieser Erkenntnis, daß auch das Vertrauen auf Dich als Festesfreude das Hütten- und Erntefest mir verherrliche. Amen!
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Gebet am Hüttenfeste.
(Vorher Nischmath [Seite 19].)