ROBERT. Ihr seid eine Zauberin; aber (auf sein Herz weisend) hier ist
Stein, Kieselstein. Wißt ihr das?
TOGNINA. Das gesteh ich.—Haben Sie noch nie geliebt?—Ich muß Ihnen doch sagen, hier ward gestern eine neue Oper gegeben—Die Scythen, oder der Sieg des Liebesgottes—Unvergleichlich, Mylord; gewiß—Es war auch so ein junger Herr drinne, wie Sie, der alles Frauenzimmer verachtete. Aber was meinen Sie wohl, womit die Liebesgöttin und die Amors ihn bekämpften? Raten Sie einmal, ich bitte Sie, was für fürchterliche Waffen sie seiner knotigen Keule entgegen setzten?
ROBERT. Vergiftete Blicke, wie die eurigen.
TOGNINA. Blumen, junger Herr, nichts als arme Blumen—(reißt sich eine Rose von der Brust, und wirft ihn damit.) Sehen Sie, so machten sies—Spielend (eine aus ihrem Haarputze) Spielend. (wieder eine andere von ihrer Brust.) spielend überwanden sie ihn. Hahaha, (ihn an die Hand fassend) ist das nicht lustig, mein kleines Herzchen?
ROBERT. (verstohlen, die Zähne knirschend.) O unbarmherziger Himmel! —Armida!—(Tognina ans Knie fassend.) Ihr seid gefährlich, Kleine! voll Lüsternheit! voll Liebreiz! Laßt uns allein bleiben, ich habe euch viel zu sagen.
(Sie winkt den Bedienten, die gehen heraus.)
ROBERT. (zieht das Portrait aus dem Busen.) Seht, hier hab ich ein Bild, das allein ist euch im Wege. Wenn ihr Meisterin von meinem Herzen werden wollt, gebt mir eine Schere, daß ich es von diesem Halse löse, dan den ich es damals leider, ach, auf ewig knüpfte! Ich bin nicht im Stande, euch in eurer zauberreiches Auge zu sehen, eure weiche Hand gegen mein Herz zu drücken, euren glühenden Lippen meinen zitternden Mund entgegen zu strecken, so lang dies Bild an meinem Halse hängt.
TOGNINA. Gleich, gnädiger Herr! (zieht eine Schere aus ihrem Etui, und sett sich aufs Bett, ihm das Bild abzulösen.)
ROBERT. (reißt ihr die Schere aus der Hand, und gibt sich einen Stich in die Gurgel.) Grisette! hab ich dich endlich doch überlistet.
TOGNINA. Ich in des Todes! Hülfe!—(läuft heraus.)