Geh. Rath. Nein aufrichtig! Du must doch eine Absicht haben, wenn Du einen Hofmeister nimmst und den Beutel mit einemmahl so weit aufthust, daß dreihundert Dukaten herausfallen. Sag mir, was meinst Du mit dem Geld auszurichten; was foderst Du dafür von Deinem Hofmeister?

Major. Daß er—was ich—daß er meinen Sohn in allen Wissenschaften und Artigkeiten und Weltmanieren—Ich weiß auch nicht, was Du immer mit Deinen Fragen willst; das wird sich schon finden; das werd ich ihm alles schon zu seiner Zeit sagen.

Geh. Rath. Das heißt: Du willst Hofmeister Deines Hofmeisters seyn; bedenkst Du aber auch, was Du da auf Dich nimmst—Was soll Dein Sohn werden, sag mir einmahl?

Major. Was er… Soldat soll er werden; ein Kerl, wie ich gewesen bin.

Geh. Rath. Das letzte laß nur weg, lieber Bruder; unsere Kinder sollen und müssen das nicht werden, was wir waren: die Zeiten ändern sich, Sitten, Umstände, alles, und wenn Du nichts mehr und nichts weniger geworden wärst, als das leibhafte Kontrefey Deines Eltervaters—

Major. Potz hundert! wenn er Major wird, und ein braver Kerl wie ich, und dem König so redlich dient als ich!

Geh. Rath. Ganz gut, aber nach funfzig Jahren haben wir vielleicht einen andern König und eine andre Art ihm zu dienen. Aber ich seh schon, ich kann mich mit Dir in die Sachen nicht einlassen, ich müste zu weit ausholen und würde doch nichts ausrichten. Du siehst immer nur der graden Linie nach, die Deine Frau Dir mit Kreide über den Schnabel zieht.

Major.
Was willst Du damit sagen, Berg? Ich bitt Dich, misch
Dich nicht in meine Hausangelegenheiten, so wie ich mich
nicht in die Deinigen.—Aber sieh doch! da läuft ja
eben Dein gnädiger Junker mit zwey Hollunken aus der
Schule heraus.—Vortrefliche Erziehung, Herr Philosophus!
Das wird einmal was rechts geben! Wer sollt' es in aller
Welt glauben, daß der Gassenbengel der einzige Sohn Sr.
Excellenz des königlichen geheimen Raths—

Geh. Rath. Laß ihn nur.—Seine lustigen Spielgesellen werden ihn minder verderben als ein galonirter Müßiggänger, unterstützt von einer eiteln Patronin.

Major.
Du nimmst Dir Freyheiten heraus.—Adieu.