Geh. Rath. Du bist immer ausschweifend, in allen Stücken—Dir ein Nichts so zu Herzen gehen zu lassen!—Wenn Deiner Tochter die Schönheit abgeht, so bleibt sie doch immer noch das gute Mädchen, das sie war; so kann sie hundert andre liebenswürdige Eigenschaften besitzen.
Major. Ihre Schönheit—Hol mich der Teufel, es ist nicht das allein, was ihr abgeht; ich weiß nicht, ich werde noch den Verstand verlieren, wenn ich das Mädchen lang unter Augen behalte. Ihre Gesundheit ist hin, ihre Munterkeit, ihre Lieblichkeit, weiß der Teufel, wie man das Dings all nennen soll; aber obschon ichs nicht nennen kann, so kann ichs doch sehen, so kann ichs doch fühlen und begreifen, und Du weist, daß ich aus dem Mädchen meinen Abgott gemacht habe. Und daß ich sie so sehn muß unter meinen Händen hinsterben, verwesen.—(weint) Bruder geheimer Rath, Du hast keine Tochter; Du weißt nicht, wie einem Vater zu Muth seyn muß, der eine Tochter hat. Ich hab dreyzehn Bataillen beygewohnt und achtzehn Blessuren bekommen, und hab den Tod vor Augen gesehen und bin—O laß mich zufrieden; pack Dich zu meinem Haus hinaus; laß die ganze Welt sich fortpacken. Ich will es anstecken und die Schaufel in die Hand nehmen und Bauer werden.
Geh. Rath.
Und Frau und Kinder—
Major. Du beliebst zu scherzen: ich weiß von keiner Frau und Kindern, ich bin Major Berg gottseligen Andenkens und will den Pflug in die Hand nehmen und will Vater Berg werden, und wer mir zu nahe kommt, dem geb ich mit meiner Hack' über die Ohren.
Geh. Rath. So schwermerisch-schwermüthig hab ich ihn doch nie gesehen.
(Die Majorin stützt herein.)
Majorin. Zu Hülfe Mann—Wir sind verloren—Unsere Familie! unsere Familie!
Geh. Rath.
Gott behüt Frau Schwester! Was stehen Sie an: Wollen
Sie Ihren Mann rasend machen?
Majorin.
Er soll rasend werden—Unsere Familie—Infamie!—
O ich kann nicht mehr—(fällt auf einen Stuhl)
Major. (geht auf sie zu) Willst Du mit der Sprach' heraus?—Oder ich dreh Dir den Hals um.