In Heidelbrunn.
Der Geheime Rath. Herr von Seiffenblase, und sein
Hofmeister.

Hofmeister. Wir haben uns in Halle nur ein Jahr aufgehalten und als wir von Göttingen kamen, nahmen wir unsere Rückreise über alle berühmte Universitäten in Deutschland. Wir konnten also in Halle das zweytemal nicht lange verweilen; zudem saß Ihr Herr Sohn grade zu der Zeit in dem unglücklichen Arrest, wo ich ihn nur einigemal zu sprechen die Ehre haben konnte: also könnt ich Ihnen aufrichtig von der Führung Dero Herrn Sohns draussen keine umständliche Nachricht geben.

Geh. Rath. Der Himmel verhängt Strafen über unsre ganze Familie. Mein Bruder—Ich wills Ihnen nur nicht verheelen, denn leider ist Stadt und Land voll davon—hat das Unglück gehabt, daß seine Tochter ihm verschwunden ist, ohne daß eine Spur von ihr anzutreffen—Ich höre itzt von meinem Sohn—Wenn er sich gut geführt hätte, wie wärs möglich gewesen, ihn ins Gefängniß zu bringen? Ich hab ihm ausser seinem starken Wechsel noch alle halbe Jahr außerordentliche geschickt; auf allen Fall—

Hofmeister. Die bösen Gesellschaften; die erstaunenden Verführungen auf Akademien.

Seiffenblase. Das seltsamste dabey ist, daß er für einen andern sitzt; ein Ausbund aller Lüderlichkeit, ein Mensch, für den ich keinen Groschen ausgäbe und er auf meinem Misthaufen Hungers krepirte. Er ist hier gewesen, Sie werden von ihm gehört haben; er suchte Geld bey seinem Vater, unter dem Vorwand, Ihren Herrn Sohn auszulösen; vermuthlich wär' er damit auf eine andere Akademie gegangen und hätte von frischem angefangen zu wirthschaften. Ich weiß schon, wie's die lüderlichen Studenten machen, aber sein Vater hat den Braten gerochen und hat ihn nicht vor sich kommen lassen.

Geh. Rath.
Doch wohl nicht der junge Pätus, des Rathsherrn Sohn?

Seiffenblase.
Ich glaub', es ist derselbe.

Geh. Rath.
Jedermann hat dem Vater die Härte verdacht.

Hofmeister. Ja was ist da zu verdenken, mein gnädiger Herr geheimer Rath; wenn ein Sohn die Güte des Vaters zu sehr misbraucht, so muß sich das Vaterherz wohl ab von ihm wenden. Der Hohepriester Eli war nicht hart und brach den Hals.

Geh. Rath. Gegen die Ausschweifungen seiner Kinder kann man nie zu hart seyn, aber wol gegen ihr Elend. Der junge Mensch soll hier haben betteln müssen. Und mein Sohn sitzt um seinetwillen?