Wenzeslaus. Herr, in unserm Dorf ists die Mode, daß man den Hut abzieht, wenn man in die Stube tritt und mit dem Herrn vom Hause spricht.

Graf.
Die Sache pressirt—Sagt mir, ist er hier oder nicht?

Wenzeslaus. Und was soll er denn verbrochen haben, daß Ihr ihn so mit gewafneter Hand sucht?(Graf will in die Kammer, er stellt sich vor die Thür) Halt Herr! Die Kammer ist mein, und wo Ihr nicht augenblicklich Euch aus meinem Hause packt, so zieh ich nur an meiner Schelle und ein halb Dutzend handfester Bauerkerle schlägt Euch zu morsch Pulver-Granatenstücken. Seyd Ihr Strassenräuber, so muß man Euch als Strassenräubern begegnen. Und damit Ihr Euch nicht verirrt und den Weg zum Haus' hinaus so gut findt als Ihr ihn hinein gefunden habt—(faßt ihn an die Hand und führt ihn zur Thür hinaus: die Bedienten folgen ihm)

Läuffer. (springt aus der Kammer hervor)
Glücklicher Mann! Beneidenswerther Mann!

Wenzeslaus. (in der obigen Attitude) In—Die Lebensgeister sagt' ich, sind in einer— Begeisterung, alle Passionen sind gleichsam in einer Empörung, in einem Aufruhr—Nun wenn Ihr da Wasser trinkt, so gehts, wie wenn man in eine mächtige Flamme Wasser schüttet. Die starke Bewegung der Luft und der Krieg zwischen den beyden entgegengesetzten Elementen macht eine Effervescenz, eine Gährung, eine Unruhe, ein tumultuarisches Wesen.—

Läuffer.
Ich bewundere Sie…

Wenzeslaus.
Gottlieb!—Jetzt können Sie schon allgemach trinken—
Allgemach—und denn werden Sie auf den Abend mit einem
Sallat und Knackwurst vorlieb nehmen—Was war das für
ein ungeschliffener Kerl, der nach Ihnen suchte?

Läuffer.
Es ist der Graf Wermuth, der künftige Schwiegersohn des
Majors; er ist eifersüchtig auf mich, weil das Fräulein
ihn nicht leiden kann—

Wenzeslaus. Aber was soll denn das auch? Was will das Mädchen denn auch mit ihm Monsieur Jungfernknecht? Sich ihr Glück zu verderben, um eines solchen jungen Siegfrieds willen, der nirgends Haus oder Heerd hat? Das laß Er sich aus dem Kopf und folg' Er mir nach in die Küche. Ich seh, mein Bube ist fortgangen, mir Bratwürste zu holen. Ich will ihm selber Wasser schöpfen, denn Magd hab' ich nicht und an eine Frau hab' ich mich noch nicht unterstanden zu denken, weil ich weiß, daß ich keine ernähren kann—geschweige denn eine drauf angesehen, wie Ihr junge Herren Weiß und Roth—Aber man sagt wohl mit Recht, die Welt verändert sich.

Dritte Scene.