Wenzeslaus. Behüte—Setz' Er Sich hier nieder zu mir—Hier hat Er meine Hand: Er soll sicher bey mir seyn—Und nun erzehl Er mir, derweil ich diese Vorschrift hier schreibe.
Läuffer.
Lassen Sie mich erst zu mir selber kommen.
Wenzeslaus. Gut, verschnauf' Er Sich und hernach will ich Ihm ein Glas Wein geben lassen und wollen eins zusammen trinken. Unterdessen, sag er mich doch—Hofmeister—(legt das Lineal weg, nimmt die Brille ab und sieht ihn eine Weile an) Nun ja, nach dem Rock zu urtheilen.—Nun nun, ich glaubs Ihm, daß Er der Hofmeister ist. Er sieht ja so roth und weiß drein. Nun sag Er mir aber doch, mein lieber Freund, (setzt die Brille wieder auf) wie ist Er denn zu dem Unstern gekommen, daß Sein Herr Patron so entrüstet auf Ihn ist? Ich kann mirs doch nimmermehr einbilden, daß ein Mann, wie der Herr Major von Berg—Ich kenne ihn wohl; ich habe genug von ihm reden hören; er soll freilich von einem hastigen Temperament seyn; viel Cholera, viel Cholera—Sehen Sie, da muß ich meinen Buben selber die Linien ziehen, denn nichts lernen die Bursche so schwer als das Gradeschreiben, das Gleichschreiben—Nicht zierlich geschrieben; nicht geschwind geschrieben; sag' ich immer, aber nur grad geschrieben, denn das hat seinen Einfluß in alles, auf die Sitten, auf die Wissenschaften, in alles, lieber Herr Hofmeister. Ein Mensch, der nicht grad schreiben kann, sag' ich immer, der kann auch nicht grad handeln—Wo waren wir?
Läuffer.
Dürft' ich mir ein Glas Wasser ausbitten?
Wenzeslaus.
Wasser?—Sie sollen haben. Aber—ja wovon redten wir?
Vom Gradschreiben; nein vom Major—he he he—Aber
wissen Sie auch Herr—Wie ist Ihr Name?
Läuffer.
Mein—Ich heiße—Mandel.
Wenzeslaus. Herr Mandel—Und darauf mußten Sie Sich noch besinnen? Nun ja, man hat bisweilen Abwesenheiten des Geistes; besonders die jungen Herren weiß und roth—Sie heißen unrecht Mandel; Sie sollten Mandelblüthe heißen, denn Sie sind ja weiß und roth wie Mandelblüthe—Nun ja freilich, der Hofmeisterstand ist einer von denen, unus ex his, die alleweile mit Rosen und Lilien überstreut sind, und wo einen die Dornen des Lebens nur gar selten stechen. Denn was hat man zu thun? Man ißt, trinkt, schläft, hat für nichts zu sorgen; sein gut Glas Wein gewiß, seinen Braten täglich, alle Morgen seinen Kaffee, Thee, Schokolade, oder was man trinkt und das geht denn immer so fort—Nun ja, ich wollt Ihnen sagen: wissen Sie auch, Herr Mandel, daß ein Glas Wasser der Gesundheit eben so schädlich auf eine heftige Gemüthsbewegung als auf eine heftige Leibesbewegung; aber freylich, was fragt Ihr jungen Herren Hofmeister nach der Gesundheit—Denn sagt mir doch, (legt Brille und Lineal weg und steht auf) wo in aller Welt kann das der Gesundheit gut thun, wenn alle Nerven und Adern gespannt sind und das Blut ist in der heftigsten Cirkulation und die Lebensgeister sind alle in einer—Hitze, in einer—
Läuffer.
Um Gotteswillen der Graf Wermuth—(springt in eine
Kammer)
(Graf Wermuth mit ein Paar Bedienten, die Pistolen tragen)
Graf.
Ist hier ein gewisser Läuffer—Ein Student im blauen
Rock mit Tressen?