Wenzeslaus. Nun so laß Ers stehen; aber es ist seine eigne Schuld wenn's nicht wahr ist. Und wenn es wahr ist, so hat Er unrecht, daß Er Sich überhörig satt ißt, denn das macht böse Begierden und schläfert den Geist ein. Ihr Herren Weiß und Roth mögts glauben oder nicht. Man sagt zwar auch vom Toback, daß er ein narkotisches, schläfrigmachendes, dummmachendes Oel habe und ich hab's bisweilen auch wol so wahrgefunden und bin versucht worden, Pfeife und allen Henker ins Kamin zu werfen, aber unsere Nebel hier herum beständig und die feuchte Winter- und Herbstluft alleweile und denn die vortrefliche Wirkung, die ich davon verspüre, daß es zugleich die bösen Begierden mit einschläfert— Holla, wo seyd Ihr denn, lieber Mann? Eben da ich vom Einschläfern rede, nickt Ihr schon; so gehts, wenn der Kopf leer ist und faul dabey und niemals ist angestrengt worden. Allons! frisch, eine Pfeife mit mir geraucht! (stopft sich und ihm) Laßt uns noch eins mit einander plaudern. (raucht) Ich hab Euch schon vorhin in der Küche sagen wollen: ich sehe, daß Ihr schwach in der Latinität seyd, aber da Ihr doch eine gute Hand schreibt, wie Ihr sagt, so könntet Ihr mir doch so Abends an die Hand gehen, weil ich meiner Augen muß anfangen zu schonen, und meinen Buben die Vorschriften schreiben. Ich will Euch dabey Corderii Colloquia geben und Gürtleri Lexicon; wenn Ihr fleißig seyn wollt. Ihr habt ja den ganzen Tag für Euch, so könnt Ihr Euch in der lateinischen Sprache was umthun, und wer weiß wenn es Gott gefällt mich heute oder morgen von der Welt zu nehmen—Aber Ihr müßt fleißig seyn, das sag' ich Euch, denn so seyd Ihr ja noch kaum zum Kollaborator tüchtig, geschweige denn—(trinkt)
Läuffer. (legt die Pfeife weg)
Welche Demüthigung!
Wenzeslaus. Aber … aber … aber (reißt ihm den Zahnstocher aus dem Munde) was ist denn das da? Habt Ihr denn noch nicht einmal so viel gelernt, großer Mensch, daß Ihr für Euren eignen Körper Sorge tragen könnt. Das Zähnestochern ist ein Selbstmord; ja ein Selbstmord, eine muthwillige Zerstöhrung Jerusalems, die man mit seinen Zähnen vornimmt. Da, wenn Euch was im Zahn sitzen bleibt: (nimmt Wasser und schwängt den Mund aus) So müßt Ihrs machen, wenn Ihr gesunde Zähne behalten wollt, Gott und eurem Nebenmenschen zu Ehren, und nicht einmal im Alter herumlaufen, wie ein alter Kettenhund, dem die Zähne in der Jugend ausgebrochen worden, und der die Kinnbacken nicht zusammenhalten kann. Das wird einen schönen Schulmeister abgeben, wills Gott, wenn ihm aufs Alter die Worte ungebohren zum Munde herausfallen und er zwischen Nase und Oberlippen da was herausschnarcht, das kein Hund oder Hahn versteht.
Läuffer. Der wird mich noch zu Tode meistern—Das unerträglichste ist, daß er Recht hat—
Wenzeslaus. Nun wie gehts? Schmeckt Euch der Toback nicht? Ich wette, nur ein paar Tage noch mit dem alten Wenzeslaus zusammen, so werdt Ihr rauchen wie ein Bootsknecht. Ich will Euch nach meiner Hand ziehen, daß Ihr Euch selber nicht mehr wieder kennen sollt.
Vierter Akt.
Erste Scene.
Zu Insterburg.
Geheimer Rath. Major.
Major. Hier Bruder—Ich schweife wie Kain herum, unstät und flüchtig—Weißt Du was? Die Russen sollen Krieg mit den Türken haben; ich will nach Königsberg gehn, um nähere Nachrichten einzuziehen: ich will mein Weib verlassen und in der Türkey sterben.