Schöpsen. (nachdem er die Wunde noch einmal besichtigt) Ja die Wunde ist, nachdem man sie nimmt—Wir wollen sehen, wir wollen sehen.

Läuffer.
Hier, Herr Schulmeister! hat mir des Majors Bruder einen
Beutel gelassen, der ganz schwer von Dukaten ist und
obenein ist ein Bankozettel drinn—Da sind wir auf viel
Jahre geholfen.

Wenzeslaus. (hebt den Beutel) Nun das ist etwas—Aber Hausgewalt bleibt doch Hausgewalt und Kirchenraub, Kirchenraub—Ich will ihm einen Brief schreiben, dem Herrn Major. den er nicht ins Fenster stecken soll.

Schöpsen. (der sich die Weil' über vergessen und eifrig nach dem Beutel gesehen, fällt wieder über die Wunde her) Sie wird sich endlich schon kuriren lassen, aber sehr schwer, hoff' ich, sehr schwer—

Wenzeslaus. Das hoff' ich nicht, Herr Gevatter Schöpsen; das fürcht' ich, das fürcht' ich—aber ich will Ihm nur zum voraus sagen, daß wenn Er die Wunde langsam kurirt, so kriegt Er auch langsame Bezahlung; wenn Er ihn aber in zwey Tagen wieder auf frischen Fuß stellt, so soll Er auch frisch bezahlt werden; darnach kann Er sich richten.

Schöpsen.
Wir wollen sehen.

Vierte Scene.

Gustchen. (liegend, an einem Teich mit Gesträuch umgeben) Soll ich denn hier sterben?—Mein Vater! Mein Vater! gieb mir die Schuld nicht, daß Du nicht Nachricht von mir bekömmst. Ich hab meine letzten Kräfte angewandt— sie sind erschöpft—Sein Bild, o sein Bild steht mir immer vor den Augen! Er ist todt, ja todt—und für Gram um mich—Sein Geist ist mir diese Nacht erschienen, mir Nachricht davon zu geben—mich zur Rechenschaft dafür zu fodern—Ich komme, ja ich komme. (raft sich auf und wirft sich in Teich.)

Major. (von weitem)
Geh. Rath und Graf Wermuth. (folgen ihm)

Major. Hey! hoh! da giengs in Teich—Ein Weibsbild wars und wenn gleich nicht meine Tochter, doch auch ein unglücklich Weibsbild—Nach, Berg! Das ist der Weg zu Gustchen oder zur Hölle! (springt ihr nach)