Läuffer.
Ich unglücklicher!
Lise. Glauben Sie mir, lieber Herr Schulmeister, ich laß einmal nicht von ihm ab. Nehmen Sie mir das Leben; ich lasse nicht ab von ihm. Ich hab ihn gern und mein Herz sagt mir, daß ich niemand auf der Welt so gern haben kann als ihn.
Wenzeslaus.
So—daß doch—Lise, Du verstehst das Ding nicht—
Lise, es läßt sich Dir so nicht sagen, aber Du kannst
ihn nicht heyrathen; es ist unmöglich.
Lise. Warum soll es denn unmöglich seyn, Herr Schulmeister? Wie kann's unmöglich seyn, wenn ich will und wenn er will, und mein Vater auch es will? Denn mein Vater hat mir immer gesagt, wenn ich einmal einen geistlichen Herrn bekommen könnte—
Wenzeslaus. Aber daß dich der Kuckuk, er kann ja nichts—Gott verzeih mir meine Sünde, so laß Dir doch sagen.
Läuffer.
Vielleicht fodert sie das nicht—Lise, ich kann bey
Dir nicht schlafen.
Lise. So kann Er doch wachen bey mir, wenn wir nur den Tag über beisammen sind und uns so anlachen und uns einsweilen die Hände küssen—Denn bey Gott! ich hab' ihn gern. Gott weiß es, ich hab' Ihn gern.
Läuffer. Sehn Sie, Herr Wenzeslaus! Sie verlangt nur Liebe von mir. Und ist's denn nothwendig zum Glück der Ehe, daß man thierische Triebe stillt?
Wenzeslaus.
Ey was—Connubium sine prole, est quasi dies sine
sole … Seyd fruchtbar und mehret euch, steht in
Gottes Wort. Wo Eh' ist, müssen auch Kinder seyn.
Lise. Nein Herr Schulmeister, ich schwör's Ihm, in meinem Leben möcht' ich keine Kinder haben. Ey ja doch, Kinder! Was Sie nicht meynen! Damit wär mir auch wol groß gedient, wenn ich noch Kinder dazu bekäme. Mein Vater hat Enten und Hüner genug, die ich alle Tage füttern muß, wenn ich noch Kinder ebenen füttern müste.