Der alte Pätus.
Was hör' ich—Mein Sohn?
Pätus. (fällt ihm um den Hals) Ihr unglücklicher verstossener Sohn. Aber Gott hat sich meiner als eines armen Wäysen angenommen. Hier, Papa, ist das Geld, das Sie zu meiner Erziehung in der Fremde angewandt; hier ist's zurück und mein Dank dazu; es hat doppelte Zinsen getragen, das Kapital hat sich vermehrt und Ihr Sohn ist ein rechtschaffener Kerl worden.
Der alte Pätus. Muß denn alles heute wetteifern, mich durch Großmuth zu beschämen. Mein Sohn, erkenne Deinen Vater wieder, der eine Weile seine menschliche Natur ausgezogen und in ein wildes Thier ausgeartet war. Es gieng Deiner Großmutter wie Dir: sie ist auch wiedergekommen und hat mir verziehen und hat mich wieder zum Sohn gemacht, so wie Du mich wieder zum Vater machst. Nimm mein ganzes Vermögen, Gustav! schalte damit nach Deinem Gefallen, nur laß mich die Undankbarkeit nicht entgelten, die ich bey einem ähnlichen Geschenk gegen Deine Großmutter äußerte.
Pätus. Erlauben Sie mir, das tugendhafteste süsseste Mädchen glücklich damit zu machen—
Der alte Pätus. Was denn? Du auch verliebt? Mit Freuden erlaub' ich Dir alles. Ich bin alt und möchte vor meinem Tode gern Enkel sehen, denen ich die Treue beweisen könnte, die Eure Großmutter für Euch bewiesen hat.
Fritz. (Umarmt das Kind auf dem Kanapee, küßt's und
trägts zu Gustchen)
Dies Kind ist jetzt auch das meinige; ein trauriges
Pfand der Schwachheit Deines Geschlechts und der
Thorheiten des unsrigen: am meisten aber der
vortheilhaften Erziehung junger Frauenzimmer durch
Hofmeister.
Major.
Ja mein lieber Sohn, wie sollen sie denn erzogen werden?
Geh. Rath.
Giebts für sie keine Anstalten, keine Nähschulen, keine
Klöster, keine Erziehungshäuser?—Doch davon wollen
wir ein andermal sprechen.
Fritz. (küßt's abermal) Und dennoch mir unendlich schätzbar, weil's das Bild seiner Mutter trägt. Wenigstens, mein süsses Kind! werd' ich Dich nie durch Hofmeister erziehen lassen.
Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Der Hofmeister odor
Vortheile der Privaterziehung, von Jakob Michael Reinhold
Lenz.