Major. Doch keiner zu weit unter ihrem Stande? O sie sollte die erste Parthie im Königreich werden. Das ist ein vermaledeyter Gedanke! wenn ich doch den erst fort hätte; er wird mich noch ins Irrhaus bringen.
Geh. Rath. (öfnet die Kammer; auf seinen Wink tritt
Fritz mit Gustchen heraus)
Major. (fällt ihm um den Hals) Fritz! (zum geh. Rath) Ists Dein Fritz? Willst Du meine Tochter heyrathen?—Gott segne Dich. Weißt Du noch nichts, oder weißt Du alles? Siehst Du, wie mein Haar grau geworden ist vor der Zeit! (führt ihn ans Kanapee) Siehst Du, dort ist das Kind. Bist ein Philosoph? Kannst alles vergessen? Ist Gustchen Dir noch schön genug? O sie hat bereut. Jung, ich schwöre Dir, sie hat bereut, wie keine Nonne und kein Heiliger. Aber was ist zu machen? Sind doch die Engel aus dem Himmel gefallen—Aber Gustchen ist wieder aufgestanden.
Fritz.
Lassen Sie mich zum Wort kommen.
Major. (drückt ihn immer an die Brust) Nein Junge—Ich möchte Dich todt drücken—Daß Du so großmüthig bist, daß Du so edel denkst—das Du— mein Junge bist—
Fritz.
In Gustchens Armen beneid' ich keinen König.
Major. So recht; das ist recht.—Sie wird Dir schon gestanden haben; sie wird Dir alles erzählt haben—
Fritz. Dieser Fehltritt macht sie mir nur noch theurer— macht ihr Herz nur noch englischer.—Sie darf nur in den Spiegel sehn, um überzeugt zu seyn, daß sie mein ganzes Glück machen werde und doch zittert sie immer vor dem, wie sie sagt, ihr unerträglichen Gedanken: sie werde mich unglücklich machen. O was hab ich von einer solchen Frau anders zu gewarten, als einen Himmel?
Major. Ja wohl einen Himmel; wenn's wahr ist, daß die Gerechten nicht allein hineinkommen, sondern auch die Sünder, die Busse thun. Meine Tochter hat Busse gethan und ich hab für meine Thorheiten und daß ich einem Bruder nicht folgen wollte, der das Ding besser verstund, auch Busse gethan; ihr zur Gesellschaft: und darum macht mich der liebe Gott auch ihr zur Gesellschaft mit glücklich.
Geh. Rath. (ruft zur Kammer hinein)
Herr Pätus, kommen Sie doch hervor. Ihr Vater ist hier.