Läuffer.
Etwas, gnädiger Herr.—Ich kann Ihnen einige Proben weisen.

Major. (besieht sie) Das ist ja scharmant!—Recht schön; gut das: Er soll meine Tochter auch zeichnen lehren.—Aber hören Sie, werther Herr Läuffer, um Gottes Willen ihr nicht scharf begegnet; das Mädchen hat ein ganz ander Gemüth als der Junge. Weiß Gott! es ist als ob sie nicht Bruder und Schwester wären. Sie liegt Tag und Nacht über den Büchern und über den Trauerspielen da, und sobald man ihr nur ein Wort sagt, besonders ich, von mir kann sie nichts vertragen, gleich stehn ihr die Backen in Feuer und die Thränen lauffen ihr wie Perlen drüber herab. Ich wills Ihm nur sagen: das Mädchen ist meines Herzens einziger Trost. Meine Frau macht mir bittre Tage genug: sie will alleweil herrschen und weil sie mehr List und Verstand hat, als ich. Und der Sohn, das ist ihr Liebling; den will sie nach ihrer Methode erziehen; fein säuberlich mit dem Knaben Absalom, und da wird denn einmal so ein Galgenstrick draus, der nicht Gott, nicht Menschen was Nutz ist.—Das will ich nicht haben.—Sobald er was thut, oder was versieht, oder hat seinen Lex nicht gelernt, sag' Ers mir nur und der lebendige Teuffel soll drein fahren.—Aber mit der Tochter nehm' Er sich in Acht; die Frau wird Ihm schon zureden, daß Er ihr scharf begegnen soll. Sie kann sie nicht leiden, das weiß ich; aber wo ich das geringste merke. Ich bin Herr vom Hause, muß Er wissen, und wer meiner Tochter zu nahe kommt—Es ist mein einziges Kleinod, und wenn der König mir sein Königreich für sie geben wollt': ich schicke ihn fort. Alle Tage ist sie in meinem Abendgebet und Morgengebet und in meinem Tischgebet, und alles in allem, und wenn Gott mir die Gnade thun wollte, daß ich sie noch vor meinem Ende mit einem General oder Staatsminister vom ersten Range versorgt sähe,—denn keinen andern soll sie sein Lebtage bekommen,—so wollt' ich gern ein zehn Jahr eher sterben.—Merk' Er sich das—und wer meiner Tochter zu nahe kommt oder ihr worinn zu Leid lebt— die erste beste Kugel durch den Kopf. Merk' Er Sich das.—(geht ab.)

Fünfte Scene.
Fritz von Berg. Augustchen.

Fritz. Sie werden nicht Wort halten Gustchen: Sie werden mir nicht schreiben, wenn Sie in Heidelbrun sind, und dann werd' ich mich zu Tode grämen.

Gustchen. Glaubst Du denn, daß Deine Juliette so unbeständig seyn kann? O nein; ich bin ein Frauenzimmer; die Mannspersonen allein sind unbeständig.

Fritz. Nein, Gustchen, die Frauenzimmer allein sinds. Ja wenn alle Julietten wären!—Wissen Sie was? Wenn Sie an mich schreiben, nennen Sie mich Ihren Romeo; thun Sie mir den Gefallen: ich versichere Sie, ich werd' in allen Stücken Romeo seyn, und wenn ich erst einen Degen trage. O ich kann mich auch erstechen, wenn's dazu kommt.

Gustchen. Gehn Sie doch! Ja Sie werden's machen, wie im Gellert steht: er besah die Spitz' und Schneide und steckt' ihn langsam wieder ein.

Fritz. Sie sollen schon sehen. (faßt sie an die Hand.) Gustchen— Gustchen! wenn ich Sie verlieren sollte oder der Onkel wollte Sie einem andern geben.—Der gottlose Graf Wermuth! Ich kann Ihnen den Gedanken nicht sagen Gustchen, aber Sie könnten ihn schon in meinen Augen lesen—Er wird ein Graf Paris für uns seyn.

Gustchen.
Fritzchen—so mach' ichs wie Juliette.

Fritz. Was denn?—Wie denn?—Das ist ja nur eine Erdichtung; es giebt keine solche Art Schlaftrunk.