Desportes. Wenn ich nur so glücklich wäre, einen von Ihren Briefen, nur eine Zeile von Ihrer schönen Hand zu sehen.

Marie. O verzeihen Sie mir, ich schreibe gar nicht schön, ich schäme mich von meiner Schrift zu weisen.

Desportes. Alles, was von einer solchen Hand kommt, muß schön sein.

Marie. O Herr Baron, hören Sie auf, ich weiß doch, daß das alles nur
Komplimenten sein.

Desportes (kniend). Ich schwöre Ihnen, daß ich noch in meinem Leben nichts Vollkommeners gesehen habe, als Sie sind.

Marie (strickt, die Augen auf ihre Arbeit niedergeschlagen). Meine
Mutter hat mir doch gesagt—sehen Sie, wie falsch Sie sind.

Desportes. Ich falsch? Können Sie das von mir glauben, göttliche Mademoiselle? Ist das falsch, wenn ich mich vom Regiment wegstehle, da ich mein Semester doch verkauft habe, und jetzt riskiere, daß, wenn man erfährt, daß ich nicht bei meinen Eltern bin, wie ich vorgab, man mich in Prison wirft, wenn ich wiederkomme, ist das falsch, nur um das Glück zu haben, Sie zu sehen, Vollkommenste?

Marie (wieder auf ihre Arbeit sehend). Meine Mutter hat mir doch oft gesagt, ich sei noch nicht vollkommen ausgewachsen, ich sei in den Jahren, wo man weder schön noch häßlich ist. (Wesener tritt herein.)

Wesener. Ei, sieh doch! gehorsamer Diener, Herr Baron, wie kommt's denn, daß wir wieder einmal die Ehre haben. (Umarmt ihn.)

Desportes. Ich bin nur auf einige Wochen hier, einen meiner
Verwandten zu besuchen, der von Brüssel angekommen ist.