Dennoch wandte sich Pfarrer Fuhrmann an den Präsidenten, und dieser versprach Abhilfe, ohne jedoch vorläufig etwas zu unternehmen. Die jährliche Inspektionsreise durch den Bezirk entfernte ihn für drei Wochen aus der Stadt; als er zurückgekehrt war, ließ er eines Tages den Polizeileutnant auf sein Arbeitszimmer rufen. »Hören Sie mal, Hickel,« redete er ihn an, »Sie sind doch in der hiesigen Gegend ziemlich gut bekannt? Schön. Haben Sie mal etwas über das Falkenhaus gehört?«

»Gewiß, Exzellenz,« antwortete Hickel. »Das sogenannte Falkenhaus ist ein uraltes markgräfliches Jagdschlößchen im Triesdorfer Wald.«

»Stimmt. Das Objekt interessiert mich schon seit einiger Zeit. Ich habe Nachforschungen eingezogen und habe folgendes erfahren. Das Falkenhaus hat bis vor ungefähr vier Jahren als Försterwohnung gedient, und zwar hat der letzte Förster jahrzehntelang mutterseelenallein dort gelebt. Der Mann hat nie mit irgendeinem Menschen verkehrt, ist nie in einem Wirtshaus gesehen worden und hat seine Einkäufe in den umliegenden Dörfern selbst besorgt. Eines Tages ist er plötzlich verschwunden gewesen, und ein verabschiedeter Gendarm soll ihn im Schwäbischen als Besitzer oder Verwalter eines Gutshofs wiedergesehen haben. Ich bin auch dieser Spur nachgegangen, und es hat sich herausgestellt, nicht nur, daß es damit seine Richtigkeit hat, sondern auch, daß der Mann im Oktober 1830 des Nachts in seinem Bett ermordet worden ist.«

»Davon ist mir nichts bekannt. Ich weiß nur, daß das Falkenhaus verödet und unbewohnt ist und daß im Volk allerlei gespensterhaftes Zeug über die unheimliche Einsiedelei erzählt wird.«

»Richten Sie jedenfalls Ihr Augenmerk darauf,« sagte der Präsident; »am besten, Sie senden einen ortskundigen Mann hin, der sorgfältige Erhebungen einziehen soll.«

»Zu Befehl, Exzellenz. Darf ich fragen, um welchen Fall es sich dabei handelt?«

»Es handelt sich um Caspar Hauser und seine Gefangenschaft.«

»Ah!« Hickel räusperte sich und machte eine Verbeugung, Gott weiß warum.

»Ich glaube mit Bestimmtheit annehmen zu dürfen, daß das Falkenhaus die Stätte seiner grausamen Kerkerhaft ist. Es war mir schon seit den ersten Erzählungen Caspars über die Art seiner Wanderung mit dem Unbekannten zweifellos, daß der Ort in Franken selbst, nicht allzu weit von Nürnberg oder Ansbach zu suchen sei. Nun haben mich die Spuren zum Falkenhaus geführt.«

»Wahrscheinlich brauchen Eure Exzellenz dieses Indizium zu der Schrift über den Hauser,« bemerkte Hickel schmeichelnd.