Der Hofrat überlegte. »Er hat doch wohlhabende und reiche Freunde,« sagte er dann, »die können doch helfen.«

»Ach du lieber Gott,« seufzte der Lehrer, »denen ist er viel zu interessant, als daß sie an seine kleine Notdurft denken.«

»Ich will einmal morgen zu Ihnen kommen und den Hauser fragen, wozu er denn eigentlich so dringend Geld braucht,« schloß der Hofrat das Gespräch.

Des Abends kam Caspar noch spät in Quandts Zimmer und flehte ihn mit aufgehobenen Händen an, ihn doch nicht aus dem Haus zu geben, er wolle ja alles tun, was man von ihm verlange; »nur nicht zum Polizeileutnant, alles, nur das nicht,« sagte er.

Der Lehrer beruhigte ihn nach Kräften und sagte, davon könne vorläufig keine Rede sein, der Polizeileutnant habe ihn bloß schrecken wollen. »Nein,« antwortete Caspar, »auch der Offiziant Maier hat heute auf dem Gericht davon gesprochen.«

»Nun, Hauser, jetzt gebärden Sie sich aber wie ein kleiner Knabe und sind doch schließlich ein erwachsener Mann,« sagte Quandt tadelnd. »Ich kann das nicht ganz ernst nehmen, Sie lieben es zu übertreiben und sich kindisch zu stellen. Der Polizeileutnant würde Ihnen auch nicht den Kopf abbeißen, wennschon ich zugebe, daß er bisweilen etwas derbe Manieren hat. Aber Sie sind ja jetzt auch ein Christ in des Wortes voller Bedeutung, und ohne Zweifel haben Sie den Spruch schon gehört: Tue deinen Feinden Gutes, damit du feurige Kohlen auf ihrem Haupt sammelst.«

Caspar nickte. »Es steht ein Gesätzlein darüber in Dittmars ›Weizenkörnern‹,« erwiderte er.

»Ganz recht; wir haben es ja zusammen durchgenommen,« fuhr Quandt lebhaft fort. »Wissen Sie was! Damit Sie das schöne Merkwort genau im Gedächtnis behalten, schlage ich Ihnen vor, mir Ihre eignen Gedanken darüber niederzuschreiben. Ich will es meinetwegen als ein Pensum für sich betrachten und Sie können den ganzen morgigen Nachmittag dazu verwenden.«

Caspar schien einverstanden.

Der Hofrat kam nicht, wie er versprochen, am nächsten, sondern erst am zweitfolgenden Tag. Als er ins Zimmer trat, redete der Lehrer gerade mit zornigen Gebärden auf Caspar ein. Auf die Frage des Hofrats, was Caspar verbrochen habe, sagte Quandt: »Ich muß mich doch gar zu viel mit ihm herumärgern. Vorgestern stellte ich ihm ein Thema für den deutschen Aufsatz, er versprach mir, es auszuarbeiten, und er hatte den ganzen gestrigen Nachmittag dazu Zeit. Soeben verlang’ ich nun sein Heft, und hier, überzeugen Sie sich selbst, Herr Hofrat, auch nicht eine Zeile hat er geschrieben. Eine solche Trägheit ist himmelschreiend.«