Quandt reichte dem Hofrat das aufgeschlagene Heft: oben auf einer Seite stand der Titel des Aufsatzes: Tue deinen Feinden Gutes, damit du feurige Kohlen auf ihrem Haupt sammelst; danach kam aber nichts und die Seite war leer. »Warum haben Sie’s denn nicht gemacht?« fragte der Hofrat kühl.
Caspar antwortete: »Ich kann nicht.«
»Das müssen Sie können!« rief Quandt. »Vorgestern haben Sie mir ja erzählt, daß der Gegenstand in Ihrem Lesebuch behandelt ist, eine Gedankenfolge zu finden, hätte Ihnen also nicht schwerfallen können, wenn Sie dort angeknüpft hätten.«
»Probieren Sie’s doch einmal, Hauser,« fiel der Hofrat besänftigend ein. »Schreiben Sie meinetwegen nur ein paar Sätze nieder. Ich werde mich mit dem Herrn Lehrer ins Nebenzimmer begeben, und wenn wir zurückkommen, sollen Sie uns irgend etwas vorzeigen und den Beweis liefern, daß Sie wenigstens den guten Willen haben.«
Quandt nickte und ging mit dem Hofrat hinaus. Als sie im Wohnzimmer waren, übergab der Hofrat dem Lehrer zwei Golddukaten und sagte, die seien von Frau von Imhoff, der er Caspars Verlegenheit geschildert habe; die gütige Dame habe sich noch hoch entschuldigt, daß es nur so wenig sei, aber sie habe über das Geld keine freie Verfügung. »Übrigens war der Hauser gestern bei mir,« fuhr der Hofrat fort, »und zwar kam er, um mich zu bitten, ich möchte es doch verhindern, daß er dem Polizeileutnant in Pflege gegeben werde.«
»Es ist doch des Teufels; er belästigt alle Leute mit seinen kindischen Miseren,« klagte Quandt, »auch mich hat er schon darum angegangen.«
»Vor dem Hickel scheint er ja eine Heidenangst zu haben.«
»Ja, der Polizeileutnant ist eben sehr streng mit ihm.«
»Ich sagte ihm, daß von meiner Seite eine solche Absicht nicht vorliege, und er möge nur seine Pflicht tun, dann werde ihm niemand zu nahe treten.«
»Sehr wahr.«