Caspar schwieg.

»Aber Hauser, Sie essen ja gar nichts mehr,« sagte die Lehrerin besorgt.

»Ich habe keinen Appetit,« erwiderte Caspar; »kaum daß ich angefangen habe zu essen, bin ich auch schon satt.«

Am Mittwoch, dem elften Dezember, kam Quandt verspätet und sehr erregt zu Tisch. Er hatte auf dem Heimweg von der Schule einen heftigen Auftritt mit einem Fuhrknecht gehabt, der in der bergigen Pfarrgasse sein Pferd zuschanden geschlagen hatte, weil es den schwerbeladenen Wagen nicht zum Hafenmarkt hinaufziehen konnte. Quandt hatte dem rohen Kumpan Vorstellungen gemacht und einige hinzukommende Bürger zu Zeugen der unmenschlichen Quälerei angerufen. Dafür war der Fuhrknecht mit erhobenem Peitschenstiel auf ihn losgegangen und hatte ihn angebrüllt, er solle sich zum Teufel scheren und sich nicht um Sachen kümmern, die ihn nichts angingen. »Gott sei Dank ist mir der Name des Kerls bekannt, und ich werde dem Polizeileutnant darüber Meldung erstatten,« schloß Quandt. Er wurde nicht müde zu beschreiben, wie der armselige Klepper vor dem Gefährt immer wieder vergeblich an den Strängen gezerrt habe und wie das schwarze Blut unter seinen Rippen hervorgequollen sei. »Der Spitzbube,« grollte er, »ich werde es ihm zeigen, ein Tier so zu rackern.«

Nachher, als Caspar weggegangen war, fragte ihn seine Frau, ob es ihm denn nicht aufgefallen sei, daß Caspar gar kein Wort über die Geschichte fallen gelassen habe.

»Ja, er war ganz stumm, es ist mir aufgefallen,« bestätigte Quandt.

Eine halbe Stunde darauf ging er in Caspars Zimmer und bat ihn, die schriftliche Anzeige gegen den Fuhrknecht, die er verfaßt hatte, in der Wohnung Hickels abzugeben. Um drei Uhr kehrte Caspar mit der Nachricht zurück, der Polizeileutnant habe einen mehrtägigen Urlaub genommen und sei verreist.

Aenigma sui temporis

Es geschah am übernächsten Tage, einem Freitag, als Caspar kurz nach zwölf das Gerichtsgebäude verlassen wollte, daß er im Korridor vor der unteren Treppe von einem fremden Herrn angesprochen wurde, einem anscheinend sehr vornehmen Mann, der groß und schlank war, einen schwarzen Backen- und Kinnbart trug, und der ihn aufforderte, ihm wenige Minuten Gehör zu schenken.

Caspar stutzte, denn in der Stimme des Mannes war etwas sehr Dringliches und etwas sehr Achtungsvolles.