Dicht vor dem Hofgarten brach er plötzlich zusammen. Quandt war verwirrt. Es kamen einige Männer des Weges, diese bat er, daß sie den Jüngling nach Hause führen möchten, er selbst wolle zur Polizei. Die Männer mußten erst geraume Weile warten, bis sich Caspar ein wenig erholt hatte; auch dann hielt es schwer, ihn zum Gehen zu bewegen.

Es wurde später von den Ärzten als eine Unbegreiflichkeit bezeichnet, daß Caspar mit der furchtbaren Verletzung in der Brust imstande gewesen war, den Weg vom Hofgarten zum Lehrerhaus, hernach vom Lehrerhaus zum Schloßplatz und endlich vom Schloßplatz wieder nach Hause zurückzulegen, das erstemal laufend, das zweitemal am Arme Quandts, das drittemal von den Männern halb gezogen, im ganzen über sechzehnhundert Schritte.

Als Quandt den Weg nach dem Rathaus einschlug, war es finster geworden. Der diensttuende Offiziant erklärte, daß ohne speziellen Auftrag des Bürgermeisters, der im Bade sei, die Anzeige nicht protokolliert werden dürfe. Der Lehrer schwatzte noch eine Weile mit ihm, dann begab er sich unwillig und verdrossen in die eine Viertelstunde vor der Stadt gelegene Kleinschrottsche Badewirtschaft, wo der Bürgermeister im Kreis seiner Vertrauten beim Bier saß. Quandt trug den Fall vor. Man staunte, zweifelte, plädierte, bestieg den Amtsschimmel und gestattete hierauf die förmliche Protokollaufnahme. Um sechs Uhr wurde das interessante Aktenprodukt bei Laternen- und Kerzenschein dem Stadtgericht zur weiteren Untersuchung übergeben.

Quandt kehrte nach Hause zurück. Auf der Gasse vor seiner Wohnung fand er viele Menschen, und zwar waren es Personen jeglichen Standes, die dem Unwetter zum Trotz gekommen waren und in einem Schweigen verharrten, das den Lehrer stutzig machte. Er ging sogleich in das Zimmer Caspars, der zu Bett gebracht worden war. Der Doktor Horlacher war zugegen. Er hatte die Wunde schon untersucht.

»Wie steht’s?« fragte Quandt.

Der Doktor antwortete, es sei kein Grund zu ernster Besorgnis vorhanden.

»Das dacht’ ich mir,« versetzte Quandt.

Jetzt erschien der Hofrat Hofmann. Ein Polizeisoldat hatte ihm unten den lilafarbenen Beutel übergeben, der an der Unglücksstätte gefunden worden war.

»Kennen Sie diesen Beutel?« fragte der Hofrat.

Mit fieberglänzenden Augen blickte Caspar auf den Beutel, den der Hofrat öffnete. Es lag ein Zettel darin, der, so schien es zunächst, mit Hieroglyphen bedeckt war.