»Das macht nichts«, entgegnete Lamberg mild, »dafür verstehe ich ihn.« Es war ein Glück, daß der larmoyante Emil das Zimmer verließ, denn Franziska und Hadwiger konnten ihre Lachlust nicht mehr bezähmen. »Mir ist immer, als sei Emil Quäcola eine einzige Person,« sagte Franziska, »und ich weiß nicht mehr, ob der Diener oder der Affe so heißt.«
Es hatte die ganze Nacht hindurch geregnet und es regnete auch jetzt noch. Der Abfluß des Sees war zum Strom geworden, alles Erdreich war gelockert, in allen Rinnen schäumten die Sturzbäche, und die verspäteten Sommergäste hatten die Flucht ergriffen. Der Ort war leer. Franziska äußerte ein Bedürfnis nach Blumen, und Lamberg ließ ganze Körbe voll Alpenrosen ins Haus bringen. Den Nachmittag über ruhte sie, als gegen fünf Uhr Cajetan von der Gräfin Seewald kam, unterhielt er sie mit allerlei Gesellschaftsklatsch und fand sie leidlich munter. »Mir kommt die Welt wie gefroren vor«, sagte sie; »trotzdem ist mir nicht kalt. Nur wenn ich allein bin, wird mir kalt.«
Sie erkundigte sich nicht nach dem Fürsten, und Cajetan sprach nicht von ihm. Nach Tisch gab Borsati seiner Verwunderung über die vielen Alpenrosen Ausdruck und sagte zu Franziska: »Du hast wohl durch die Geschichte des Geronimo Lust auf Blumen bekommen?«
»Hast du vergessen, daß ich darin den Mexikanern nie etwas nachgegeben habe?« antwortete sie. »Schade, daß die Alpenrosen so wenig riechen. Und doch vertrag ich eigentlich für längere Dauer nur den Geruch von Veilchen. Heute Nacht habe ich im Traum fortwährend Veilchen gerochen.«
»Angenehm«, murmelte Borsati.
»Wer von euch könnte mit Worten beschreiben, wie Veilchen riechen?« fuhr das junge Weib fort.
»Nun, – süß«, sagte Hadwiger, worauf Franziska unzufrieden den Kopf schüttelte.
Lamberg besann sich und meinte dann: »Es ist ein lauer, kühler, erdig-keuscher Geruch.«
»Ja, das trifft ungefähr«, rief Franziska.
Borsati, der Hadwigers eifersüchtige Miene beobachtete, lachte plötzlich und sagte: »Mir hat heute Nacht von Hadwiger geträumt. Ich fuhr mit ihm nach Sibirien. Wir verloren uns in der Steppe, auf einmal traf ich ihn wieder, er saß in einem Wirtshaus, ich frage ihn, warum er so finster und unglücklich sei, da antwortet er mit seiner mürrischen Bestimmtheit: Jeder Mensch hat seine drei Hasen. Ich war sehr betroffen über diesen Ausspruch, und während ich nachdenke, steht Lamberg vor uns, starrt Hadwiger durchbohrend an und donnert ihm triumphierend zu: Das werden Sie mir beweisen! Hadwiger zuckt gleichgiltig die Achseln und erwidert: Es ist leider so. Ich allerdings habe nur einen Hasen. Die andern zwei hat der Zar von Rußland. Bei diesem Diktum bin ich vor Erstaunen aufgewacht.«