Die Freunde erwiderten nichts. Fürst Siegmund nickte, atmete tief auf, vermied es aber, Franziska anzuschauen. Diese wandte den Blick gegen Hadwiger, und ihre Stimme hatte einen bittenden Klang, als sie sagte: »Heinrich, du weißt wohl nicht mehr, daß du mir einen Lohn schuldig geworden bist?«

Hadwiger zuckte zusammen. »Was für einen Lohn?« stieß er kurz und heiser hervor.

»Soll ich dir dein Versprechen vorhalten?« entgegnete sie mit erzwungener Leichtigkeit im Ton.

»Ich habe dir ein Versprechen gegeben, das ist wahr«, murmelte Hadwiger, indem er unwillig einen Nachdruck auf das Anredewort legte.

»Und doch bist du die Einlösung uns allen schuldig,« beharrte Franziska, »denn du hast viel geschwiegen, während wir uns verschwenderisch mitgeteilt haben.«

»Ich habe ja nicht herausfordern, ich habe mich nur verstecken wollen,« gab Hadwiger unruhig zurück.

»Als Herausforderung konnte es auch nicht aufgefaßt werden«, nahm Cajetan Partei, »aber in jeder Gesellschaft und Geselligkeit errichtet der Schweigende gewisse Schranken, auch genießt er dadurch, daß er sich niemals bloßstellt, einen Vorteil, den zu rechtfertigen seiner Einsicht und Courtoisie überlassen werden muß.«

»Na, so kritisch hab’ ich mir meine Situation nicht vorgestellt«, erwiderte Hadwiger mit humoristischem Anflug. »Ich begreife überhaupt nicht, wie ihr auf den Verdacht kommt, daß ich etwas zu erzählen haben könnte.«

»Jetzt windet er sich schon«, bemerkte Borsati lächelnd, »gebt acht, daß er nicht entschlüpft.«

»Daß etwas in deinem Leben ist, wovon du niemals sprichst, noch gesprochen hast, das weiß ich, Heinrich«, sagte Franziska sanft. »Du hast es oft angedeutet, und wider Willen, scheint mir. Wir verlangen ja nicht ein Abenteuer, nicht eine beliebige Geschichte, auch nicht eine Enthüllung. Wir, oder wenigstens ich, ich möchte wissen, was es ist, worüber du so stumm bist, daß es förmlich aus dir schreit. Sieh, wer weiß, wann und ob wir je wieder so aufgeschlossen beieinander sind. Mir kommt vor, heute ist ein Abend, wie sie selten sind im Leben. Sprich nur, du sprichst zu Freunden.«