Dudsloch war vier Kilometer von Eggenberg und sechs von Erfft entfernt. Es lag in ziemlich ebener Landschaft und war auf drei Seiten von Wäldern umgeben; im Südosten war das Maintal. Mehr eine Meierei als ein Gutshof zu heißen, bestand es nur aus einem einfachen Bauernhaus und einigen Stallgebäuden. Sylvester ritt nach dem Mittagessen hinüber und wurde von Adam Hund mit schwermütiger Herzlichkeit, von Frau Brigitte Hund mit einem mißlungenen Hofknicks empfangen. Frau Brigitte legte Gewicht auf repräsentative Manieren. Daß sie eine Megäre war, erkannte man an ihrer hohen Stimme und an ihrem sauersüßen Lächeln, von dem sie sich einbildete, es sei gewinnend. Adam sah herabgekommen aus; die große Welt, in der er verkehrt hatte, haftete noch an ihm wie, um in seiner eigenen bildhaften Sprache zu bleiben, ein Rosenblatt an einer Mistgabel. Während auf dem beschneiten Weg, der vom Strom heraufführte, Agathe sichtbar wurde, fragte Sylvester, ob die oberen Zimmer ordentlich durchheizt seien; er hatte am Morgen den Stallknecht eigens deshalb nach Dudsloch geschickt. Adam bejahte; man habe auch gründlich lüften müssen, denn die Räume seien so lange versperrt gewesen, daß die Atmosphäre dick und muffig geworden sei.
Davon war noch etwas zu spüren, als Sylvester und Agathe eintraten. Es waren zwei Zimmer, schmal und niedrig wie Käfige, mit gelbgetünchten Wänden und altväterischen Möbeln. Hier hatten sie, weil damals das Erffter Haus umgebaut worden war, die ersten Wochen ihrer Ehe verlebt. Alle beide schienen diese Erinnerung in ihrem Gesicht auszulöschen, als sich ihre Blicke begegneten.
Agathe legte Pelzmantel und Pelzhaube ab, strich ihre Frisur glatt, rückte einen der winzigen Lehnstühle zum Ofen und ließ sich darauf nieder. »Was willst du mir also sagen?« begann sie trocken.
Sylvesters Stirn verfinsterte sich. »Das ist eine ihrer Anwandlungen von hölzerner Verstocktheit,« dachte er ärgerlich. Nach einem Stillschweigen versetzte er, indem er ihr gegenüber Platz nahm: »Ich will dir sagen, daß ich … daß ich keine Freude an mir habe.«
»Warum nicht? Ist denn nicht alles in Erfüllung gegangen, was du begehrt hast?«
»Es ist nichts davon in Erfüllung gegangen.«
»Das tut mir leid. Jedenfalls liegt es nicht an mir, wenn deine Pläne fehlgeschlagen sind.«
»Doch, Agathe, an dir, nur an dir.«
»Ich verstehe dich nicht, Sylvester. Was für Opfer soll ich noch bringen?«
»Du willst mich nicht verstehen, Agathe. Ich habe dir ja geschrieben —«