Arnold trank von seinem Becher. Die Tage erwiesen sich als zu kurz, die Nächte ebenfalls. Wie reich erschien ihm das Leben! Er geriet in Bestürzung, wenn er überlegte, wie wenig auch bei der günstigsten Fügung von diesem Reichtum für ihn abfallen konnte.

Gegen Ende der Woche schrieb ihm Borromeo wegen der schwebenden Kapitalsangelegenheit. Er bat Arnold in sein Bureau. Arnold verschob es zwei Tage lang, dann nahm er einen Wagen und fuhr hin. Durch einen düstern Flur kam er in ein großes, gewölbeartiges Zimmer mit plumpen Möbeln und hohen Regalen, in denen die Bücherreihen pedantisch geordnet standen. Unbefangen setzte sich Arnold in einen lederbezogenen Sessel, Borromeo gegenüber, dessen Bart heute besonders steifgebügelt schien, während die Lippen fahl wie Sand waren. Arnold fühlte seine Stärke, seinen Frohsinn, sein Vertrauen in dem finsteren Gewölbe doppelt. Da geschah das Grausige, daß nach den ersten Worten, die Arnold geredet, ein heftiger Donnerschlag ertönte. Arnold hatte nichts von einem Gewitter am Himmel gesehen, in Sekunden mußte sich das Wetter geballt haben. Er hörte Spechts Worte wie ein Echo des Donners in seinem Innern: »Eine unheimliche Parallelgeschichte, wie Sie bald sehen werden ...« Auch damals war ein Gewitter, als ich zu Hanka kam, dachte Arnold.

»Sechs Prozent ist ja eine sehr hohe Verzinsung«, sagte Borromeo, nachdem er flüchtig gegen das Fenster geschaut und dem Verrollen des Donners nachgelauscht hatte, »aber bedenke, was du dabei riskierst. Ich habe mich erkundigt, – man zuckt die Achseln.«

Arnold nahm sich zusammen, fest zusammen, wie selten zuvor. Soll ich reden? dachte er und wußte doch schon, daß er nicht reden würde. Er blickte auf den schwarzen Bart Borromeos und erwiderte: »Die Konjunktur ist aber günstig. Das Unternehmen hat jetzt gute Aussichten. Das übrige ist Sache des Glücks.«

Damit war der Betrug entschieden. Die Elemente hatten keine Macht mehr über Arnold.

Neunundvierzigstes Kapitel

Kaum hatte Natalie Osterburg von der Veranstaltung des großen Blumenfestes gehört, als sie, von einer schwindelnden Aufregung ergriffen, alles Denkbare unternahm, um eine Rolle dabei spielen zu dürfen. Es gelang ihr, der Fürstin-Protektorin vorgestellt zu werden, ein paar leutselige Worte zu erwischen und beglückt eilte sie nach Hause. Sie sollte zusammen mit zwei adligen Damen ein Verkaufszelt für Zuckerwaren erhalten.

Noch die Türe in der Hand, rief sie atemlos: »Petra, denk dir –!« Und sie erzählte. Aber Petra zeigte sich nicht besonders gerührt von den Erfolgen der Schwester. Sie hielt Natalie vor, daß es unrecht sei, bei der täglich schlimmer werdenden Krankheit der Mutter an Vergnügungen zu denken. Petra hatte Pflichtgefühl.

Natalie hatte kein Pflichtgefühl. Sie war von allen Wärmegraden abhängig, welche die Luft der Gesellschaft erzeugt. Ihre Ehe, ihre Kinder, ihr Haushalt, alles war für sie eine niedliche, bald unterhaltende, bald langweilige Spielerei.

Ihre Sinne waren jetzt nur auf das Blumenfest gerichtet. Für nichts anderes hatte sie Teilnahme. Sie war nur besorgt, ob das Wetter schön bleiben werde, und jeden, bis zum Bäckerjungen und zur Milchfrau ersuchte sie um ausführliche Meinung darüber. Sie bezog das ganze Weltall auf das Gelingen ihrer Wünsche.