Borromeo lachte; das heißt, dies Lachen bestand darin, daß er die Lippen und die Mundwinkel auseinanderzog und die Zungenspitze zwischen die Zähne legte. Er entnahm seiner Brieftasche den verlangten Betrag, legte die Noten eine nach der andern auf den Tisch und strich sie mit der flachen Hand glatt. Anna Borromeo sah dieser Beschäftigung verwundert zu. Dann senkte sie den Kopf. »Seit Tagen verschwindest du in der geheimnisvollsten Weise, Friedrich«, sagte sie und zwang sich zu einem Lächeln. »Hast du etwas vor?«

Borromeo blickte in die Luft und seine Brauen zogen sich zusammen. »Ich habe etwas vor«, antwortete er, mit dem Zeigefinger seine Worte skandierend.

Frau Anna stutzte. Sie sah ihrem Mann ins Gesicht und sagte rasch: »Valescotts lassen dich grüßen. Ich war gestern nachmittag dort.«

Mit einem Lächeln näherte sich Borromeo der Frau, legte die Hand fast liebevoll auf ihre Haare und bog den Kopf sachte zurück. Ihre Blicke begegneten einander. Anna erhob sich und sagte rauh und erschreckt: »Du bist sonderbar.«

Borromeo zuckte die Achseln und begann den Bart mit beiden Händen zu liebkosen. »Was ist eigentlich mit Arnold?« fragte er umhergehend. »Er meidet uns. Findest du nicht, daß er uns meidet?«

»Ach, – er macht es wie tausend andere, er lebt sich aus«, warf Frau Anna gleichgültig hin.

»Es ist nicht nötig, für ihn besorgt zu sein«, sagte Borromeo. »Was ein richtiges Waldtier ist, findet immer wieder zur Tränke.«

»Du hast eine halsstarrige Manier, dich über Arnold zu täuschen«, entgegnete Anna Borromeo ruhig.

Borromeo legte die eine Hand auf die Brust und lächelte beinahe träumerisch vor sich hin. »Du hast heute Geburtstag, nicht wahr, Anna?« fragte er endlich. »Ich glaube, man darf einander ruhig beglückwünschen, wenn man wieder ein Jahr hinter sich hat. Zugleich möchte ich dir etwas mitteilen. Ich gehe mit dem Plan um, meine Praxis aufzugeben.«

»Dann tust du etwas der Form nach, was du in der Tat schon lange hinter dir hast,« antwortete die Frau mit ersticktem Zorn.