»Wieviel Uhr ist es?« fragte Anna, ohne sich zu rühren.

»Dreiviertelfünf«, antwortete Arnold. Sein Gesicht war ernst geworden, hatte aber jede Unbefangenheit verloren.

»Dann bleibt mir noch eine Stunde«, sagte Anna und richtete sich langsam auf. »Komm einmal, Arnold, sieh dir diesen Ring an.«

Arnold nahm den Ring aus ihrer Hand. Er drehte ihn hin und her und meinte endlich: »Was ist daran zu sehen? Ein gewöhnlicher Ring.«

»Wenn du ihn trägst, wirst du Macht über mich haben«, entgegnete sie.

Arnold warf ihr einen hastigen Blick zu, betrachtete wieder den Ring, lächelte mechanisch und gab ihr den Ring zurück. »Macht über dich heißt Ohnmacht über mich«, sagte er.

»Manchmal ist mir, als wären wir für einander geboren«, sagte Anna leise.

Mit stockender Stimme entgegnete Arnold: »Du bist mit dem Bruder meiner Mutter verheiratet.«

»Das ist wahr«, sagte Anna ruhig »aber ich bin dreißig Jahre alt und habe kein Kind.«

»Ich will dir nur gestehen«, fuhr sie fort, und ihre Stimme nahm einen gleichgültigen Klang an, »daß ich mich eine Zeitlang mit Valescott abgegeben habe, ohne daß es zu etwas Ernstem hätte kommen können. Er ist blind und stumm und weiß nur von Abenteuern. Eines Tages vergaß er seine Rolle und ich jagte ihn davon. Es war gefährlich. Aber für alles, was ich tue, stehe ich ein mit allem was ich bin.«