Lisaweta lag neben Maria an der Mauer. Von ihrem zwischen die Arme gewühlten Kopf sah man nur die in Eile aufgesteckten wirren braunen Haare. Über ihre starken Hüften lief bisweilen ein Beben. Während sie Wanja stillte, ließ Maria den Blick sinnend auf ihr ruhen. Dann, als Jewgenia ihr den satten Wanja abgenommen und die Kerze verlöscht hatte, bat sie Litwina, daß sie Jefim Leontowitsch hereinhole, damit auch er ruhen könne. Aber Jefim ließ sagen, er finde es notwendig, daß einer Wache halte, er werde sich vor der Tür auf seinen Mantel legen.

In Marias Augen kam kein Schlaf. Sie hörte die kräftigen Atemzüge der drei Knaben; jeden erkannte sie an Laut und Tempo des Atems; sogar das dünne, sprudelnde Atmen Wanjas war deutlich vernehmbar. Auch die Dienerinnen schliefen. Sie wachte, sann, lauschte. Zu ihrer Rechten ertönte ein schwerer Seufzer. »Können Sie nicht schlafen, Lisaweta Petrowna?« fragte sie flüsternd.

Die Angeredete bewegte sich und rückte näher. »Wer sind Sie eigentlich?« fragte sie ebenfalls flüsternd. »Sie haben mich aufgelesen, mitgenommen ... aus welchem Grund? Wer sind Sie?«

»Bedeutet Ihnen der Name etwas, so mögen Sie ihn wissen,« antwortete Maria und sagte, wie sie hieß. Dann war wieder eine Weile Schweigen, dann wieder ein Seufzer wie unter drückender Bürde.

»Was ist Ihnen?« flüsterte Maria; »erleichtern Sie Ihr Herz, sprechen Sie.«

»O großer Gott!« murmelte die andere.

»Wir sind in der Finsternis und können einander nicht sehen,« fuhr Maria zu flüstern fort; »alle schlafen, wir sind so gut wie allein. Sprechen Sie.«

»Jelena Nikolajewna möchte mich am liebsten mit dem Stiefelabsatz zertreten,« sagte die Stimme bitter; »dabei weiß sie alles. Niemand außer ihr weiß es. Grigorji hat sich ihr anvertraut. Kalten Bluts könnte sie mich morden und weiß doch alles. O mein Gott!«

»Ist es denn wahr, daß Fürst Grigorji die Ehe mit Ihnen geschlossen hat?« fragte Maria.

»Fragen Sie doch nicht,« kam es gequält zurück. »Ja, ja, der Pope hat uns zusammengetan, damals in Sebastopol, als ich das Schiff verließ. Als schon alles zu Ende war, hat uns der Pope getraut. Ich weiß nicht, ob es anfechtbar ist, geschehen ist es jedenfalls, obschon die Umstände schrecklich waren. Keine menschliche Phantasie kann sich nur annähernd etwas ähnliches ausdenken. Ja, als ich das Schiff verließ, wurden wir getraut.«