Ich seh’s wohl ein; Grund und Recht sind auf deiner Seite, und als gute Frau dürft ich nicht zuwiderstimmen. Mein Grund ist unaussprechlich und liegt vielleicht nur in meinen Augen; nur in meinem Blick, wenn er deinem begegnet. Sieh mich an, Karl Heinrich! Ist’s Lüge, dann ist alles Lüge, was mich zu dir treibt. Denk, es ist ein Gebet. Oder denk, es ist eine Krankheit in dir, die du selber nicht kennst, und du mußt sie durch einen bittern Trunk heilen.
Lang
Ich kann dir nicht helfen, Anna. Der Frommetsfelder Turm darf mir nicht gebaut werden, so lang ich hier im Amt bin.
Anna
(wendet sich weg, läßt die Arme schlaff fallen und den Kopf tief sinken).
Lang
Ist mir leid um dich, Anneli, denn in deinem Begehren ist was, das mir wie freventlicher Übermut erscheint. Zart bist du beschaffen, aber es ist was Verwegenes in dir, und wollt ich mich dem fügen, so wär’ ich geliefert für alle Zeit. Ihr Weiber habt oft so eine spindeldürre Phantastik in euerm Kopf; wenn man sich davon einfangen läßt, geht’s einem wie Simson, dem Propheten.
Anna
(geht langsam gegen die Türe links, zögert noch vor der Schwelle, dann ab).
Lang