DER ALTE:

Von dir wollte ich etwas wissen, von deiner Art etwas erfahren.

DER JUNGE:

Vielleicht bin ich dazu nicht imstande. Was nützte es, sofern du mein Vermögen in Zweifel ziehst, wenn ich dir sagen wollte: ich will Gestalten geben, deren Seele das reinste und empfindlichste Instrument ist für das unbegreifliche Spiel des Schicksals? Ich will meine eigene Furcht, mein eigenes Entzücken, meine eigenen Vorstellungen von Leben, Gott und Tod zum Bilde machend, Wesen darstellen, die unter dem Druck und Anhauch solcher Gefühle unvermittelter, vielfacher tönend reagieren; die das Erstaunen des Kindes noch in sich tragen vereint mit der Erfahrenheit des weisen Zuschauers und die unter dem Kleid des Alltags dennoch wandeln wie wir alle wandeln, unwissend woher, unwissend wohin. Ich will den einen zum Schatten machen, denn sein Dasein, seine Leidenschaften, seine Triebe, seine Taten sind ihm und andern unbewußt dunkel und nichtig wie Schatten, jenem aber, der zur Seite steht, nichts will, nichts gibt, nichts vermag, nichts bedeutet, zur charakteristischen Gestalt verhelfen. Ich will nicht die Verknüpfung äußerer Erlebnisse geben, sondern die Wirrnis der inneren, ich setze keinen Ehrgeiz darein, Fäden zu knüpfen und zu lösen. Ich möchte keine Gewitter geben, sondern die Entwicklung des Gewitters, die schwülen Lüfte des ahnungsvollen Tages, alles was vorher geht, was Verantwortung trägt. Ich will keine prahlerischen Ereignisse, sondern ich suche den kleinen Schmerz, der in tausendfachen Bildungen die Seele dem Verderben entgegenschleppt, und dies alles will ich wieder einer großen Harmonie zuführen, die mannigfach geteilten Motive dem Unendlichen vermählen.

DER ALTE:

Das geht weit, das hat Schwung, das klingt nicht übel.

DER JUNGE:

Wie es klingt, ist nicht so wichtig wie das wohin es zielt. Wir alle, Kleine und Große, sind Glieder eines einzigen Körpers. Jeder hat teil an jedem. Verworfen wird nur der Leugner. Lernen wir es, andächtig und ehrfürchtig zu sein.

DER ALTE:

Und wenn wir alt sind, laßt uns nicht vergessen, zur rechten Zeit zu sterben.