Als sie das Eßzimmer betrat, sah sie einen jungen Mann am Tisch sitzen. Frau Bender stellte vor: „Herr Falk – Fräulein Mirbeth.“

VI.

„Herr Falk hat sich entschlossen, bei uns zu essen,“ erklärte Frau Bender. „Er will seine Einsamkeit endlich ein bißchen verlassen.“

Mely antwortete mit einer höflichen Grimasse. Sie betrachtete ihren grauen Schlafrock und ärgerte sich, daß sie nicht eleganter erschienen war. „Wo ist denn Fräulein von Erdmann heute?“ fragte sie.

„Herr Doktor Brosam besucht mit ihr das Theater,“ erwiderte Frau Bender lachend. „So zum Abschied, wissen Sie. Ach, sie liebt ihn doch so,“ flötete sie mit komischer Innigkeit.

„Ja, denken Sie, und nicht einmal ein Liebesdrama wird aufgeführt,“ sagte die boshafte Helene.

„Wir bekommen jetzt eine noch ältere Dame, ein Fräulein von Mahnke,“ erzählte die Hausfrau. „Auch eine Gelehrte oder so was Ähnliches.“

„Hoffentlich nur was Ähnliches, denn etwas Schlimmeres gibt es nicht,“ bemerkte Falk. Er hatte bis jetzt seine junge Nachbarin noch nicht betrachtet. Nun sah er sie an, wandte aber sofort den Blick wieder ab.

„Wie werden Sie da erst über mich urteilen!“ sagte Mely.

„Warum?“